HAMBURG. Zwei Jahre nach ihrem Kommentar zur Flüchtlingskrise in den „Tagesthemen“ hat sich die Moderatorin Anja Reschke über Anfeindungen im Internet beklagt. „Es gab Momente im Herbst 2015, da dachte ich: Jetzt hältst du dich mal zurück, sprichst keinen Kommentar, gehst nicht in Sendungen“, sagt Reschke der Zeit. „Aber dann dachte ich: Das kann doch nicht sein, das ist doch dein Job, du hast nichts Falsches gemacht.“

Reschke hatte im August 2015 in einem „Tagesthemen“-Kommentar einen „Aufstand der Anständigen“ gegen „Hetzer“ und „Haßschreiber“ gefordert, die mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung nicht einverstanden seien. Dafür wurde sie anschließend zur „Journalistin des Jahres“ gekürt. Sie habe als „Journalistin mit Profil und klarer Haltung“ überzeugt, begründete die Jury ihre Entscheidung. Durch ihren Kommentar habe sie einen „heftigen Shitstorm in Kauf genommen und sich davon nicht beirren lassen“.

Reschke, die das ARD-Politmagazins „Panorama“, moderiert, sagte, sie sehe sich wegen ihres Kommentars und der Reaktionen darauf in ein falsches Licht gerückt. „Alle Menschen, die mich kennen, wissen, ich bin nicht die unkritische Flüchtlings-Ursel, nicht die Friede-Freude-Eierkuchen-Hurra-Frau. Aber durch den Kommentar von 2015 wurde ich von vielen in dieser Ecke positioniert“, beklagte sie.

Sie sei mit Ausdrücken wie „bezahltes Lügenmaul“ oder „linksversiffte Schlampe“ beschimpft worden. In einem Fall hätte jemand sogar die „bei der Polizei angerufen und gesagt, ich läge zerstückelt in meiner Küche. Da stand plötzlich eine voll bewaffnete Polizeieinheit vor meiner Tür“, berichtete Reschke.

Solche Ereignisse hätten sie verändert, bedauerte die Moderatorin. „Das Erlebte hat mir vielleicht eine Unbefangenheit genommen. So eine grundpositive Einstellung.“ Wenn heute jemand auf sie zukäme und sie frage, ob sie Anja Reschke sei, halte sie kurz die Luft an und denke: Freund oder Feind? Die Morddrohungen und Vergewaltigungsphantasien erschreckten sie zwar, erläuterte Reschke, was sie aber wirklich erschüttert habe, sei „diese rassistische Welle unter dem bürgerlichen Deckmantel“.

 

Quelle: Junge Freiheit