Rund 8,4 Millionen Menschen können in Tschechien ihre Stimme bei der Parlamentswahl abgeben. Favorit ist ein Populist.

Prag (dpa) — In Tschechien wird mit Spannung das Ergebnis der zweitägigen Parlamentswahl erwartet. Seit dem Morgen haben die Wahllokale wieder geöffnet. Noch bis 14.00 Uhr haben die rund 8,4 Millionen Wahlberechtigten die Chance, ihre Stimme abzugeben.

Am ersten Tag hatte sich eine gute Beteiligung abgezeichnet. In manchen Bezirken hatte bereits ein Drittel der Bürger ihren Abgeordneten gewählt. Mit einem aussagekräftigen Teilergebnis der Auszählung wird bis zum Abend gerechnet.

Der in den Umfragen favorisierte Gründer der Protestpartei ANO, Andrej Babis, sagte bei der Stimmabgabe, er wolle das «korrupte Klientelsystem» bekämpfen. Koalitionen seien «überall in Europa ein Problem». Der zweitreichste Tscheche will «den Staat wie eine Firma lenken» und wird deshalb in den Medien auch als der «tschechische Donald Trump» bezeichnet.

Die Sozialdemokraten (CSSD), die bisher den Regierungschef gestellt hatten, führten im Wahlkampf eine Kampagne für höhere Löhne.

Tschechiens Präsident Milos Zeman hatte bei der Stimmabgabe angekündigt, in jedem Fall den jeweiligen Wahlsieger mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Für eine Überraschung könnte die Piratenpartei sorgen, die vor allem bei jungen Wählern beliebt ist, und nach Umfragen erstmals den Sprung über die Fünfprozenthürde schaffen könnte.

31 Parteien kämpfen um die 200 Sitze im Abgeordnetenhaus, der wichtigeren der beiden Kammern. Seit 2014 regiert in Tschechien eine Mitte-Links-Koalition aus Sozialdemokraten (CSSD), ANO-Partei und Christdemokraten (KDU-CSL).

 

Quelle: Merkur.de