BERLIN. In Berlin hat sich ein florierender Markt rund um die Unterbringung von Flüchtlingen entwickelt. Besitzer von Pensionen und Hostels erhalten für die Bereitstellung einzelner Zimmer Monatsmieten von bis zu 3.500 Euro, berichtete die Berliner Morgenpost am Montag. Die Kosten dafür tragen die Sozialämter.

Einzelne Bezirke bringen demnach mehr als die Hälfte ihrer Wohnungssuchenden in Unterkünften unter, die nicht durch das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) oder die Unterbringungsleitstelle überwacht werden. In den Bezirken herrsche Anarchie, sagte Georg Classen vom Flüchtlingsrat.

Hohe Preise für fragwürdige Unterkünfte

Wenn Flüchtlinge anerkannt sind, fallen sie nicht mehr in den Zuständigkeitsbereich des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten, sondern in den der Sozialämter. Diese sind gesetzlich verpflichtet, für die Unterbringung der Flüchtlinge zu sorgen. Die Behörden nehmen aufgrund des Wohnungsmangels alle Unterkünfte, die sie kriegen können, was von vielen Vermietern hemmungslos ausgenutzt wird.

In ihrer Not greifen die Ämter sogar auf Pensionen und Hostels zurück, denen vom LAF wegen mieser Qualität die Zusammenarbeit gekündigt wurde. In einer Liste, die der Bezirk Mitte zu den Flüchtlingsunterkünften führt, gelten vier von fünf Angebote als nicht völlig legal oder unseriös. „Wir zahlen weiter unmögliche Preise für unmögliche Unterkünfte“, beklagte Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne).

Gleichzeitig bieten dem Bericht zufolge Vermieter in einzelnen LAF-Heimen gegen Vorkasse oder Vermittlungsgebühr offensiv Wohnungen an. Die Polizei warnt mit Flugblättern vor den Betrügern.

Finanzielle Belastung steigt

Die Zahl der Kunden für solche Vermieter wächst stetig. Flüchtlingshelfer berichteten von Fällen, wo ein Zimmer gleich zweimal vermietet wurde. Der Vermieter kassierte 780 statt 390 Euro. Ein Sprecher der Regionaldirektion bestätigte, daß kein Datenabgleich stattfände. „Der Sachbearbeiter im Jobcenter Mitte weiß nicht, ob der Kollege in Tempelhof schon die gleiche Wohnung in Spandau bewilligt hat.“

Jedes der Berliner Bezirksämter sucht prinzipiell im gesamten Stadtgebiet nach Wohnungen. Dabei verteilen die Ämter die Steuergelder offenbar äußerst freigiebig. Der Berliner Senat rechnet für die Zukunft mit erheblichen Mehrkosten. Im Entwurf des Haushaltsplans stehen für das kommende Jahr 340 Millionen Euro. Für 2019 erwartet man 441 Millionen Euro.

Der erhebliche Zuwachs von rund 100 Millionen Euro ist zum Großteil eine Folge der vielen Flüchtlinge. Für das Land Berlin hingegen ist die finanzielle Belastung geringer, weil der Bund die Unterkunftskosten ausgleicht.

 

 

Quelle: Junge Freiheit