US-Präsident Donald Trump ist in Südkorea eingetroffen, der zweiten Station auf seiner Asien-Tour nach Japan. Vor dem Hintergrund der Eskalation der Nordkorea-Krise stimmt Trump mit dem wichtigsten Verbündeten gemeinsame Handlungen zur Neutralisierung der Bedrohungen ab, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

Die Verhandlungen in Tokio zeigten, dass die USA harte Rhetorik und einen stärkeren Druck gegen Pjöngjang statt diplomatische Bemühungen bevorzugen, wobei ein Gewaltszenario nicht ausgeschlossen wird. Inzwischen gehen die Positionen Washingtons und Moskau kurz vor dem Treffen der Staatschefs der beiden Länder beim APEC-Gipfel Ende dieser Woche beim Thema Nordkorea-Krise immer weiter auseinander.

Trump gab sich während des Tokio-Besuchs als Oberster Befehlshaber, der bereit ist, die Rolle des „Weltpolizisten“ zu übernehmen, wie das seine Vorgänger im Weißen Haus taten.

„Kein einziger Diktator, kein Regime, kein Land darf die Entschlossenheit der Amerikaner unterschätzen“, sagte Trump während des Besuchs des US-Luftwaffenstützpunktes Yokota Air Base.

Bei der Pressekonferenz mit dem japanischen Premier Shinzo Abe sagte Trump, dass die „weiche Rhetorik“ der Anführer der USA in den letzten 25 Jahren wirkungslos gewesen sei und dazu geführt habe, dass die Atomwaffen Nordkoreas zu einer Bedrohung für die zivilisierte Welt und die internationale Stabilität geworden sei. Der japanische Premier unterstützte eindeutig Trump. „Jetzt ist keine Zeit für Dialog. Man muss Nordkorea maximal unter Druck setzen“, sagte Abe.

Eines der Hauptergebnisse des amerikanisch-japanischen Treffens war eine Vereinbarung über die Intensivierung der militärtechnischen Kooperation beider Länder, wobei die Lieferungen neuester US-Waffen zum Schutz vor der nordkoreanischen Bedrohung gemeint werden. Laut Abe ist Japan am Erwerb von US-Bombern der 5. Generation F-35A, Abfangraketen SM-3 Block 2A sowie Flugabwehrkomplexen Aegis Ashore interessiert, die das Abfangen nordkoreanischer Raketen ermöglichen.

„Japan wird sie natürlich abfangen“, sagte Abe. Damit ist er der erste Regierungschef in der Geschichte Japans, der öffentlich die Bereitschaft Tokios zu solchen entschlossenen Handlungen gegen Nordkorea erklärte. Zuvor hatte sich Tokio einer solchen Rhetorik enthalten. Die Verhandlungen in der japanischen Hauptstadt zeigten, dass Washington sein Ziel erreicht hat – Japan ist bereit, vom früheren Pazifismus abzuweichen, an den es sich nach dem Zweiten Weltkrieg hielt.

Die Schaffung der regionalen Koalition gegen Pjöngjang wird anscheinend auch von der angedeuteten Verschärfung der Position Seouls gefördert, das sich ebenfalls mit dem Kurs Washingtons solidarisiert.

Unmittelbar nach seinem Machtantritt im Mai dieses Jahres versuchte der neue südkoreanische Staatschef Moon Jae-in auf die Normalisierung der Beziehungen zu Nordkorea zu setzen. Es wurde sogar die Stationierung der THAAD-Systeme im Land eingestellt. Allerdings folgte nach diesen Signalen keine Reaktion aus Pjöngjang.

Im Ergebnis musste Seoul zur Politik der Abschreckung Pjöngjangs zurückkehren. Kurz vor dem Besuch Trumps kündigte Südkorea neue Sanktionen gegen 18 hochrangige Mitarbeiter nordkoreanischer Banken an.

Vor dem Hintergrund der Geschlossenheit zwischen den USA und ihren asiatischen Verbündeten sind in Amerika Debatten über die Wahrscheinlichkeit eines Gewaltszenarios zur Lösung der Nordkorea-Krise zu hören. Eine Gruppe von Kongressmitgliedern gab eine gemeinsame Erklärung ab, in der gewarnt wird, dass eine Bodenoperation Hunderttausende und sogar Millionen Menschenleben in den ersten Tagen kosten kann. Der Sprecher des Joint Chiefs of Staff, Michael Dumont, sagte wiederum, dass eine garantierte Vernichtung aller Atomobjekte Nordkoreas nur im Falle einer Bodenoperation zu erreichen sei.

Die Position Washingtons, das vom Verlust der „strategischen Geduld“ gegenüber Nordkorea spricht, geht mit dem Herangehen Chinas und Russlands bei dieser Frage weit auseinander, die zur Zurückhaltung und Suche nach diplomatischen Lösungen aufrufen. Trump berichtete vor seiner Abreise aus Washington, dass er mit einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin am Rande des APEC-Gipfels in Vietnam am 11. November rechnet. Ihm zufolge wird die Korea-Krise eines der Themen sein.

 

Quelle: Sputnik