Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Die SPD will nun doch und ganz ultimativ keine GroKo mehr. Sie plädiert für eine Minderheitsregierung. Das hat sie gestern endgültig entschieden. Ach was, Papperlapapp! Sie will mitregieren. Das sei, so die SPD-Führung und ganz wichtig, auch der SPD-Bundespräsidenten und Bundesschreihals Frank Walter Steinmeier, Regierungsverantwortung, und vor der laufe man ja schließlich nicht davon. Für Deutschland in die GroKo und in den SPD-Tod. Ob man dafür noch Worte übrig hat? Ein Kopfschütteln auf Lager hat? Merkels Steigbügelhalter sei die SPD, so unkt es allerortens durch die Republik. Die SPD würde ihr Profil dann gänzlich verlieren und … Von was für einem Profil ist denn da überhaupt die Rede? Martin Schulz war der Todesstoß der Partei.

Erinnern wir uns: Er wurde, und das ist SPD-Geschichte, mit einhundert Prozent der Stimmen zum Kanzlerkandidat gewählt. Das war die Götterdämmerung der Partei und lässt tief, sehr tief blicken. So einen, Entschuldigung, konturlosen Fuzzi habt ihr mit jeder euch zur Verfügung stehenden Stimme zum Oberhirten der Armen und Gebeutelten gemacht. Schon Sigmar „das Pack“ Gabriel war, gelinde gesagt, eine Zumutung oder besser, ein letzter Strohhalm. Vielleicht aber auch selbstprophezeihend ihr letzter Wille – nach der Willy Brandt-SPD. Denn die SPD hat ansonsten niemanden, der so sein kann, dass er will. Das er regieren und nach oben können will. Wollen wollen sie alle, nur können können sie nicht wollen. Denn die Meisten sind ja schon oben. Sicher nicht in der SPD. Denn wer will schon in so einer SPD nach oben? Nur die, die ansonsten nicht nach oben kommen können. Die, die wirklich „was drauf haben“, die findet man nicht in einer Partei. Zumindest heutzutage nimmer mehr.

Kommen wir nun zum Hosenanzug und zum Bumerang.
Schmeißen wir nun den Bumerang zurück, den die Neulandchefin und Rautenkönigin Angela Merkel vor 18 Jahren ihrem Mentor „Jabba der Hutte“ alias Schlachtross, alias Hellmut Kohl, zugeworfen hatte. „Die Partei muss sich zutrauen, ohne ihr altes Schlachtross den Kampf aufzunehmen.“ Der Focus titelt: „Was Merkel vor 18 Jahren sagte, sollte ihr jetzt zu denken geben“. Sie richtete vor 18 Jahren ihre Worte an die CDU und meinte damit ihren Ziehvater Helmut Kohl. Ein Kanzler dieser Republik, der 16 Jahre im Thron saß. Nach Adenauer die zweitlängste Kanzlerzeit. Will Merkel Kohl überholen? Den Text aus dem Fokus hier in voller Länge.

Zitat Anfang: „Angela Merkel hatte sich wohl einfachere Zeiten erhofft. Erst fuhr sie mit der Union das schlechteste Bundestagswahlergebnis seit 1949 ein, dann scheiterte die Regierungsbildung. Die Kanzlerin steht unter Druck.

Schon vor der Wahl war die Debatte über einen Generationenwechsel in der CDU entflammt. Doch ihre Nachfolge hat Merkel bislang nicht geregelt. Das sollte sie jedoch möglichst bald angehen – zumindest, wenn sie ihren eigenen Worten von vor 18 Jahren glaubt.

«Die Partei muss sich zutrauen, ohne ihr altes Schlachtross den Kampf aufzunehmen»

Wörtlich schrieb Merkel im Dezember 1999 in einem Gastbeitrag für die „FAZ“: „Die Partei muss also laufen lernen, muss sich zutrauen, in Zukunft auch ohne ihr altes Schlachtross (…) den Kampf mit dem politischen Gegner aufzunehmen. Sie muss sich wie jemand in der Pubertät von zu Hause lösen, eigene Wege gehen.“

Merkel, damals Generalsekretärin, vollzog, was niemand zuvor in der CDU gewagt hatte: den offenen, radikalen Bruch mit dem damaligen Ehrenvorsitzenden Kohl. Die CDU steckte zu dieser Zeit wegen der Parteispendenaffäre in einer massiven Krise. Helmut Kohl wollte auch nach dem Ende seiner Kanzlerschaft die Namen der Spender nicht verraten, klebte weiter am Ehrenvorsitz.

Merkels Putsch-Aufruf gegen Kohl: «Zukunft selbst in die Hand nehmen».

Quelle: KenFM