Wie würde es aussehen, wenn es wider Erwarten doch noch zu Neuwahlen kommen sollte? Hier die aktuelle Prognose von Wahl-O-Matrix, Deutschlands führendem Meta-Analyse-Tool.

Ex-Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) geht nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung von einem Scheitern der Verhandlungen für eine große Koalition aus und prognostizierte vorgezogene Neuwahlen ohne eine erneute Kandidatur von Kanzlerin Angela Merkel.

Sollte dies wider Erwarten eintreffen, wie würde das Ergebnis dann voraussichtlich aussehen? Jürgen Fritz analysiert:

Legen wir die fünf Umfragen zu Grunde, deren mittlerer Befragungstag nicht mehr als zwei Wochen zurückliegt (Forschungsgruppe Wahlen, Emnid, Infratest dimap, Forsa und INSA von heute) so fallen verschieden Dinge auf.

Die Union hat sich ein wenig erholt. Drohte sie in den ersten Wochen nach der Bundestagswahl unter 30 Prozent einzustürzen, so kann sie sich die letzten Wochen wieder etwas fangen. CDU/CSU verzeichnen gegenüber dem 24. September, als sie auf 32,9 Prozent kamen, zwar immer noch Verluste, aber nur noch von ca. ein bis zwei Prozent. Derzeit liegen sie in den verschiedenen Umfragen zwischen 31 und 33, im Schnitt bei 32 Prozent. Bei der SPD tut sich wenig. Das Ergebnis von 20,5 Prozent würde sie bei Neuwahlen wahrscheinlich halten, eventuell auf 21 Prozent minimal verbessern können. Die Gefahr unter 20 Prozent zu fallen, ist minimal.

AfD und Grüne legen zu

Richtig gut sieht es dagegen für die AfD und die Grünen aus. Die AfD würde ihr Ergebnis von 12,6 Prozent wahrscheinlich nochmals verbessern können. In den fünf neuesten Umfragen liegt sie zwischen 12 und 14 Prozent, bei INSA steigt sie heute auf 14. Berechnen wir hier mit ein, dass sie von nahezu allen Instituten meist um mindestens ein bis zwei Punkte zu niedrig ausgewiesen wird, können wir hier tatsächlich von ca. 14 Prozent ausgehen, also einem Plus von fast 1,5 Punkten.

Noch besser sieht es für die Grünen aus. Sie wären der ganz große Gewinner im Falle von Neuwahlen. Ihr ohnehin schon unerwartet gutes Ergebnis von 8,9 Prozent könnten sie wahrscheinlich auf ca. 11 Prozent nochmals deutlich verbessern, eventuell sogar knapp über 11 Prozent.

Der große Verlierer bei Neuwahlen wäre die FDP

Bei der Linkspartei gäbe es kaum eine Veränderung. Laut den neuesten Umfragen liegt sie derzeit zwischen 9 und 11 Prozent, im Schnitt bei ca. 9,5, wobei die Umfragewerte bei der Linken meist etwas höher sind als die tatsächlichen Ergebnisse. Bei der Wahl im September lag sie bei 9,2 Prozent.

Die mit Abstand größten Verluste verzeichnet dagegen die FDP. Bei der Bundestagswahl noch über 10,7 Prozent, liegen die „Freien Demokraten“ aktuell bei allen fünf Instituten zwischen 8 und 9 Prozent, Tendenz eher Richtung 8. Die Entscheidung, die Jamaika-Verhandlungen im letzten Moment abzubrechen, kommt zwar bei den AfD-Wählern sehr gut an, bei den eigenen aber gar nicht. Offensichtlich sind seither viele FDP-Wähler innerlich zur Union, eventuell auch ein wenig zu den Grünen abgewandert. Die FDP hat innerhalb von nicht mal drei Monaten sage und schreibe jeden vierten bis fünften ihrer Wähler verloren.

Zusammenfassung Umfragewerte der letzten zwei Wochen

Die Umfragen der letzten 14 Tage (bezogen auf den mittleren Tag der Befragung) weisen folgende Werte für die einzelnen Parteien aus:

  1. CDU/CSU: 31 – 33 %
  2. SPD: 20 – 23 %
  3. AfD: 12 – 14 %
  4. GRÜNE: 10 – 12 %
  5. LINKE: 9 – 11 %
  6. FDP: 8 – 9 %
  7. Sonstige: 4 – 5 %

Hier nun die Prognose von Wahl-O-Matrix, der Nr. 1 in puncto Wahlanalysen und Prognosen. Würde es jetzt zu Neuwahlen kommen, könnten die Parteien in etwa mit folgenden Werten rechnen (in Klammern die Gewinne/Verluste zur Bundestagswahl vom 24. September):

  1. CDU/CSU: 31,5 % (– 1,4)
  2. SPD: 21 % (+ 0,5)
  3. AfD: 14 % (+ 1,4)
  4. GRÜNE: 11 % (+ 2,1)
  5. LINKE: 9,5 % (+ 0,3)
  6. FDP: 8,5 % (– 2,2)
  7. Sonstige: 4,5 % (– 0,5)

2017-12-19

Mögliche Regierungskoalitionen

Für die Regierungsbildung würden diese doch eher geringen Veränderungen allerdings keine Rolle spielen. In Frage kämen weiterhin nur eine schwarz-rote oder eine Jamaika-Koalition. (Der Ausdruck „große Koalition“ passt wohl nicht mehr angesichts von ca. 52,5 Prozent, was nur noch knapp für eine Mehrheit reicht.)

  1. Schwarz-Rot: 52,5 %
  2. Jamaika: 51 %
  3. Schwarz-Grün: 42,5 %
  4. Rot-Rot-Grün: 41,5 %
  5. Ampel-Koalition: 40,5 %
  6. Schwarz-Gelb: 40 %

AfD hat schon jetzt 60 bis 70 Prozent mehr Wähler als die FDP

Besonders interessant ist der Vergleich AfD und FDP. Bei Forschungsgruppe Wahlen liegt die Alternative für Deutschland 4 Punkte vor der FDP (12 – 8), bei Emnid 5 (13 – 8), bei Infratest dimap 4 (13 – 9), bei Forsa 4 (12 – 8) und bei INSA 5 (14 – 9). Die AfD hat also schon jetzt laut Umfragen circa 50 bis 60 Prozent mehr Wähler als die FDP. Sind wir nun noch dessen eingedenk, dass die tatsächliche AfD-Zustimmung nochmals um einiges höher sein dürfte als die Umfragewerte, wie sämtliche Wahlen der letzten Jahre gezeigt haben, dann sind es wohl eher 60 bis 70 Prozent mehr Wähler, die die AfD schon jetzt für sich gewinnen kann. Auf 100 FDP-Wähler kommen mithin bereits 160 bis 170 AfD-Wähler und die AfD ist längst die unangefochtene dritte Kraft im Lande, die ihre Position auch gegenüber Linkspartei und Grünen zudem immer mehr auszubauen scheint.

Quelle: Epochtimes

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