Großbritanniens Premier John Major hatte vor, die Schulden der UdSSR im Tausch gegen den Abbau des sowjetischen Atomwaffenarsenals abzuschreiben, wie der Journalist der „The Guardian“, Owen Bowcott, unter Verweis auf offengelegte Dokumente des Nationalen Archivs in seinem Artikel schreibt.

Noch vor dem Zerfall der Sowjetunion in einzelne Republiken im Dezember 1991 soll Major laut dem Artikel einen entsprechenden Vorschlag von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) bekommen haben.

Als Initiator sei der Chef dieser Organisation, Jacques Attali, aufgetreten. In seinem Brief an den damaligen britischen Regierungschef habe er Folgendes geschrieben: „Lieber John, Du weißt, dass das zentrale Problem der Welt in Bezug auf die UdSSR die Schulden und die Atomwaffen sind. In diesem Zusammenhang würde ich vorschlagen, dieses Problem durch einen teilweisen oder vollen Tausch der Atomwaffen gegen die Abschreibung der Schulden zu lösen.“

Die Schulden der UdSSR hätten damals 60 Milliarden Dollar betragen, und das Land habe über 25.000 Stück Atomwaffen verfügt.

Am selben Tag, dem 11. Dezember, so der Autor, habe Premier Major eine Mitteilung über bevorstehende Verhandlungen der Nato mit Russland über die Reduzierung des Atomwaffenarsenals erhalten. Allerdings hätten sich die Ziele Frankreichs und der USA im Rahmen der Nato als unvereinbar erwiesen: Die Amerikaner wollten detaillierte Diskussionen vor den Verhandlungen vermeiden, wogegen die Franzosen eine gemeinsame Herangehensweise erzielen wollten. Aber angesichts der Tatsache, dass die UdSSR die letzten Monate ihrer Existenz erlebte, habe der damalige britische Schatzkanzler Norman Lamont den Premier Major vor „finanziellen Risiken“ gewarnt. „Unter den Staaten der G7 ist die Meinung verbreitet, dass jetzt nicht die passende Zeit sei, um in der Sowjetunion mit großen Summen öffentlicher Gelder ein Risiko einzugehen“, sagte der Finanzpolitiker.

Die Sowjetunion hatte am 25. Dezember 1991 mit dem Rücktritt ihres Staatspräsidenten Michail Gorbatschow aufgehört zu existieren. Die ehemaligen Sowjetrepubliken sind daraufhin selbständige Staaten geworden. Die heutige Russische Föderation ist der Rechtsnachfolger der Sowjetunion bei den Vereinten Nationen, einschließlich des UN-Sicherheitsrates.

Quelle: Sputnik