Anhänger rechtsradikaler Organisationen haben anlässlich des 109. Geburtstages des ukrainischen Nazi-Kollaborateurs und Kriegsverbrechers Stepan Bandera an Demonstrationen und Zügen in der Hauptstadt Kiew und anderen ukrainischen Städten teilgenommen, berichten ukrainische Medien.

Am Montag zogen laut dem TV-Sender „112 Ukraina“ mehr als 1000 Demonstranten, darunter auch Vertreter der nationalistischen Partei Swoboda („Freiheit“), im Rahmen eines Fackelzuges durch Kiew. Der Zug wurde von Polizisten, auch von Beamten der Hundestaffel, begleitet.

Ähnliche Aktionen fanden in der westlichen (Lwiw und Ternopil), zentralöstlichen (Dnipro) und südlichen (Krywyj Rih) Ukraine statt. Nationalistische Märsche gab es auch im von der ukrainischen Armee kontrollierten Teil des Gebiets Donezk (Slowjansk und Awdijiwka). Sie zählten aber wenige Teilnehmer.

Stepan Bandera (1909-1959) hatte an der Wiege der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) gestanden. Am 14. Oktober 1942 wurde auf Beschluss der OUN die „Ukrainische Aufstandsarmee“ (UPA) als deren Militärarm ins Leben gerufen. Die beiden Nationalistenorganisationen hatten im Zweiten Weltkrieg in der Westukraine zuerst gegen die Wehrmacht und dann gegen die Sowjetarmee und andere Staaten der Anti-Hitler-Koalition gekämpft.

Im Sommer 1943 richteten die Nationalisten ein Massaker an der polnischen Zivilbevölkerung an (Massaker von Wolhynien). Selbst ukrainische Historiker gestehen heute die Zahl der polnischen Opfer ein: Bis Ende 1943 wurden 50.000 bis 60.000 Männer, Frauen und Kinder auf unvorstellbar grausame Weise umgebracht. Nach ukrainischer Zählung wurden 500, nach polnischen Schätzungen mehr als 1.150 polnische Dörfer zerstört. Sie verschwanden für immer von der Landkarte. Historiker schätzen die Gesamtzahl der Opfer auf 36.000 bis 100.000.

Bandera wurde 1959 vor seinem Haus in München von einem KGB-Agenten getötet. Am 9. April 2015 hatte die Werchowna Rada (ukrainisches Parlament) in einem Gesetz die ehemaligen OUN- und UPA-Mitglieder als Unabhängigkeitskämpfer eingestuft und ihnen gesetzlich weitgehende soziale Vergütungen gewährt.

Quelle: Sputnik