China versucht sich in der Vermittlung im Afghanistan-Konflikt und kann einen diplomatischen Überraschungserfolg verbuchen: chinesischen Diplomaten ist es gelungen, Afghanistan in einen Friedensdialog mit Pakistan über die Bekämpfung des Terrorismus einzubinden.

Die chinesische Regierung hatte zuvor angeboten, Afghanistan an einem milliardenschweren Investitionsprogramm zu beteiligen. Im neuen Jahr soll es ein Folgetreffen in Kabul geben, zu dem Peking auch Vertreter der Taliban einladen will.

Mit dieser Entwicklung ist China schon jetzt erfolgreicher, als es die USA mit ihrer Afghanistan-Politik je waren. Beobachter sehen die Gründe dafür vor allem darin, daß sich die chinesischen Diplomaten um Ausgleich bemühen, während die USA Pakistan zuletzt vor allem harsch angegriffen haben und auch in Afghanistan seit langem einseitig auf Militärschläge setzen. Zudem kann sich China als „Freund“ der pakistanischen Regierung positionieren, während Washington auch am Hindukusch die Konfrontation befördert.

Die chinesische Afghanistan-Initiative ist Teil der chinesischen „Seidenstraßen-Initiative”. Dabei spielt auch die Hindukusch-Region eine Rolle. Schon aus Eigeninteresse strebt Peking deshalb eine Befriedung und keine weitere Eskalation an.

Zur konkreten Rolle Afghanistans im chinesischen „Seidenstraßen“-Schachspiel erklärte der chinesische Außenminister Wang Yi: „Langfristig werden wir den Pakistan-Korridor mit dem Zentralchinesischen Wirtschaftskorridor und dem Westasiatischen Wirtschaftskorridor durch Afghanistan verbinden.“

Mit der chinesischen Afghanistan-Initiative setzt sich jetzt ein Trend der vergangenen Monate fort: China kann seinen Einfluß im eigenen Vorfeld, aber auch in entfernteren Regionen von geostrategischem Interesse erweitern, während die USA ausländische Partner verstärkt vor den Kopf stoßen. Peking kann damit seine auswärtigen Beziehungen festigen, während die amerikanischen wachsenden Belastungen ausgesetzt sind.

Quelle: Zuerst!