Jahrzehntelange Sanktionen und Korruption sorgten für eine wirtschaftlich schlechte Lage im Iran. Die Proteste dagegen werden jedoch im Sand verlaufen – noch. Wie lange kann sich das Mullah-Regime noch an der Macht halten?

Von Marco Maier

Es gibt zwei Hauptgründe dafür, warum die wirtschaftliche Lage im Iran so desaströs ist: Einerseits sind da die seit der Islamischen Revolution 1979 schrittweise verschärften Sanktionen gegen das Land, andererseits gibt es ja auch noch die grassierende Korruption. Hinzu kommt noch die demographische Komponente (rund ein Viertel der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre) und der Umstand, dass es faktisch kein muslimisch geprägtes Land gibt, welches ohne Rohstoffreichtum auch zu wirtschaftlichem Wohlstand gebracht hätte.

Diese ganze Mischung sorgt nun dafür, dass in vielen Städten des Landes Menschen gegen die herrschenden Zustände protestieren. Teils wohl auch mit Unterstützung der Amerikaner, die ihren Feind so im Inneren destabilisieren wollen. Doch diese ganzen Unruhen werden im Sand verlaufen, weil die Demonstranten keine Führungsfigur haben, welche den Unmut entsprechend kanalisieren und für sich nutzen kann.

Zudem ist die politische und religiöse Führung des Landes in Sachen Oppositionsbekämpfung nicht gerade zimperlich – und an Galgen mangelt es ganz gewiss nicht. Das führt natürlich dazu, dass es kaum jemanden gibt, der sich tatsächlich offen als Oppositionsführer gegen das Regime stellen wird. Zumindest so lange nicht, wie nicht gleich mehrere Millionen Menschen auf den Straßen demonstrieren.

Junge Iraner, die keine Zukunftsperspektive haben, Musik hören und tanzen möchten, sowie Frauen, die sich nicht mehr länger hinter Kopftüchern und Schleiern verstecken wollen – das sind gerade jene Bevölkerungsschichten, die mit dem erzkonservativen Islam nicht identifizieren können. Doch diese Schicht wächst unablässig und wird zunehmend zu einem Unsicherheitsfaktor für die Erzkonservativen.

Das Mullah-Regime im Iran hat den Zenit der Macht auch aufgrund der demographischen Entwicklungen bereits überschritten. Zwar wehren sich gerade die ultrakonservativen Kräfte noch gegen die unausweichlichen Veränderungen, doch nicht umsonst sitzen bereits viele «Reformer» im Parlament und auch Präsident Hassan Rohani würde gerne umfassendere Liberalisierungen durchführen, müsste er sich nicht ständig mit dem konservativen Klerus herumschlagen, der eben doch noch sehr viel Macht besitzt. Wenngleich wohl nicht mehr für sehr lange.

Die Frage lautet nur: Wohin wird sich der Iran nach einer erfolgreichen Revolution hinentwickeln? Die alten Perser haben aufgrund ihrer Traditionen nicht umsonst eigentlich einen recht liberalen schiitischen Islam entwickelt, der später von den konservativen Revolutionsführern unterdrückt wurde. Doch wenn aus dem Iran nur (wieder) ein US-Vasallenstaat wie unter dem Schah wird, wäre es auch Schade darum. Aber bis es so weit kommt, wird noch einige Zeit vergehen.

Quelle: Contra Magazin

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