KCRW ist das Kürzel für den neuen US-Radiosender in Berlin unter Leitung des ehemaligen US-Botschafters zu Deutschland John Kornblum. Dessen Unterstützerkreis liest sich wie das Who’s Who der transatlantischen Elite und glaubt an die USA als «Leitkultur».

Für den Leiter und Chef-Fundraiser von KCRW ist der neue US-Sender eine «Herzensangelegenheit». Gegenüber dem Deutschlandfunk fasst er dessen Mission mit den Worten zusammen:

Zu diesem Zeitpunkt ist es sehr wichtig, dass man sich versteht und wir meinten, es ist sehr wichtig, dass es auch einen englischsprachigen Sender für Berlin gibt. Es ist unerlässlich, dass der Westen zusammenhält. Auf keinen Fall ist es ein Anti-Trump-Sender, es ist auch kein Pro-Trump-Sender, es ist ein pro-atlantischer, pro-westlicher, Pro-Offenheits-Sender!

Die explizit transatlantische Ausprägung zeigt sich auch an dem Unterstützerkreis für KCRW, die Kornblum offen benennt:

Wir sind eine Gruppe von Deutschen und Amerikanern. Karen Roth, aus der Familie Raphael Roth, Marie Warburg, Tochter von Erich Warburg und Ehefrau von Michael Naumann, Richard Gaul, der Öffentlichkeits-Vorstand bei BMW war, Anne Kuchenbecker, stellvertretende Direktorin des Aspen Institute Germany, die Anwaltskanzlei Noer LLP [bei der Kornblum als Senior Counsellor tätig ist; RT] und ehemalige deutsche Diplomaten sind darunter.

Die bedeutsamsten Sendungen des Kanals kommen derzeit noch von NPR, dem «National Public Radio» der USA — einer mit staatlichen Geldern finanzierten überregionalen Radiostation. Bislang sendete NPR auf der UKW-Frequenz 104,1 in Berlin. Im Rahmen einer Umstrukturierung hat NPR allerdings seine Berliner Station aufgegeben, dafür sprang dann Kornblum mit seinem Trägerkreis ein.

Unvoreingenommen und ausgewogen?

Auf die Frage, ob die US-Amerikaner noch eine eigene Radiostation in Berlin betreiben müssen, antwortet Susan Woosley, die Geschäftsführerin von KCRW:

Müssen die Amerikaner ein Radio in Berlin haben? Natürlich für den Dialog und was wir anbieten, intelligent und unbiased, sagt man auf English, neutrale Nachrichten und Informationen, und das ist, was wir in dieser Zeit besonders benötigen, ein balanced view.

Kornblum ergänzt selbstbewusst:

Zieht Amerika noch? Natürlich, mehr denn je, Amerika ist immer noch die Leitkultur für den Westen.

«Amerika als Leitkultur des Westens» scheint auch die Berlin-Brandenburgische Medienanstalt überzeugt zu haben, die über die Neuvergabe der Frequenz von NPR in Berlin entschieden hat.

Sie verweist auf den «Staatsvertrag über die Zusammenarbeit zwischen Berlin und Brandenburg im Bereich der Medien». Dort steht unter § 33, Absatz 5:

Im Hörfunk können Übertragungskapazitäten für Regional- oder Stadtprogramme […] auch Veranstaltern zugewiesen werden, deren Rundfunkprogramme sich auf die besonderen Beziehungen Berlins zu seinen ehemaligen Schutzmächten gründen und diese weiterentwickeln.

Doch im Verständnis des ehemaligen US-Botschafters gehören zu diesen ehemaligen Schutzmächten lediglich Großbritannien, Frankreich und die USA. Die Rolle Russlands ignoriert der Diplomat a.D. geflissentlich:

Es gibt ein grundsätzliches Interesse von deutscher und Berliner Seite, dass die ehemaligen Alliierten, die Briten, Franzosen und die Amerikaner, mit ihren jeweiligen Radioprogrammen für die Internationalität und die Offenheit dieser Stadt stehen. Wir sind selbstbewusst genug, zu meinen, dass ein amerikanischer Sender gerade zu diesem Zeitpunkt, wo die atlantische Welt in Aufruhr ist, besonders wichtig ist. Es geht nicht um Nostalgie, es geht um die Zukunft», so Kornblum in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel zum Start von KCRW.

Ausbaufähiges Publikumsinteresse

Bisher scheint es die Zukunft mit KCRW noch nicht so gut zu meinen. Knapp 700 Personen haben im Verlauf der ersten knapp drei Monate der Facebookseite ihr «Like» gegeben. Zudem kämpft man mit technischen Übertragungsproblemen:

Noch mauer scheint es um die Share-Raten auf Twitter bestellt zu sein:

 

Konkrete Hörerzahlen liegen noch nicht vor, allerdings liegt laut Kornblum die Messlatte hoch. In semi-drohendem Tonfall sagt er abschließend:

Es bedeutet jetzt, dass wir jetzt sofort anfangen müssen, und das ist meine Arbeit, sage ich ganz offen, viele Leute, die mich kennen, werden dann auch von mir hören. Ich finde, das ist jetzt eine Aufgabe, die wirklich jeder, der für diese enge Zusammenarbeit transatlantisch ist, — dass man sich auch engagieren sollte.

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Der Planungschef a.D. im Bundeskanzleramt und Herausgeber der NachDenkSeiten, Albrecht Müller, fasste den Sendestart von KCRW mit den Worten zusammen:

Ein neues Propaganda-Radio, mit einer Sprache, die einem die Schuhe auszieht.

Quelle: RT

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