Auf Europa kommt noch mehr Krieg zu. Krieg für Frankreichs Finanzinteressen, ein Krieg der Paris über den Kopf gewachsen ist, und den nun Europa mit Kanonenfutter unterstützen soll.

Von Viribus Unitis

Europa steuert gerade auf die Ausweitung eines bereits bestehenden Krieges zu. Westafrika ist das Ziel der Ausweitung, die neu gegründete EU-Militärallianz (PESCO) das Instrument der Ausweitung, und Frankreich und seine Finanzinteressen sind die Profiteure dieser Ausweitung.

Auf Europa (bzw. auf die Euro-Zone) aufgeschaltet ist die französische Zone Franc, auch CFA-Zone genannt. Diese Zone umfasst 14 afrikanische Staaten – das Armenhaus der Welt, bezogen auf den UN-Human Development Index (HDI) – mit insgesamt mehr als 175 Millionen Einwohnern. Der CFA-Franc, die Währung dieser Staaten, ist mit fixem Wechselkurs an den Euro gekoppelt. Diese 14 Staaten sind also französisch-europäische Finanzkolonien.

Diese Staaten wurden vom österreichischen Finanzminister Rudolf Edlinger im Jahr 1998 (verantwortlicher deutscher Finanzminister war Oskar Lafontaine) auf den Euro aufgeschaltet. Wenn man bei diesem Dokument bis nach unten scrollt, sieht man als Unterschrift Edlinger, also Rudolf Edlinger, den damaligen Finanzminister Österreichs, der damals auch Vorsitzender der EU-Finanzministerkonferenz war, und in dieser Eigenschaft das Dokument unterzeichnete und Ihm damit Rechtskraft verlieh.

Geführt wird die CFA-Zone einerseits indirekt von der EZB, andererseits direkt von der Banque de France über den Tresor de France.

Es ist ein unglaubliches humanitäres Desaster das Frankreich in seinen afrikanischen Finanzkolonien angerichtet hat, ein Desaster in jeder Hinsicht. Ab Seite 198 des UN-Human Development Index von 2016 kann man vergleichen.

Wenn man schon ab und an über die CFA-Zone spricht, dann führt man meist einerseits 109. CFA-Gabun und 135. ex aequo CFA-Kongo-Brazzaville und CFA-Äquatorialguinea als Beispiele dafür an, wie gut doch Frankreich für seinen Finanzkolonien sorge. Darüber spricht man ab und an, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Normalerweise wird das Thema gemieden, weil die Fakten ein furchtbares Bild von Frankreich zeichnen.

Darüber spricht man nicht, will man nicht sprechen. Low Human Development, das ist die niedrigste Stufe, in der man laut UN sein kann, niedrige menschliche Entwicklung heißt diese Kategorie ins Deutsche übersetzt. Elf der 14 CFA-Länder finden sich hier: 153. CFA-Kamerun, 162. CFA-Senegal, 166. CFA-Togo, 167. CFA-Benin, 171. CFA-Elfenbeinküste, 175. CFA-Mali, 178. CFA-Guinea Bissau, und schließlich die vier ärmsten Länder der Welt, 185. CFA-Burkina Faso, 186. CFA-Tschad, 187. CFA-Niger (Frankreich fördert hier seit den 1950er Jahren umfangreich Uran), und schließlich das ärmste Land der Welt, 188. CFA-Zentralafrikanische Republik.

Beim HDI wird auch die Alphabetisierungsrate angegeben, der jeweiligen Länder. Die von Frankreich beherrschten CFA-Länder (Frankreich druckt großteils die Schulbücher) haben die niedrigsten Alphabetisierungsraten der Welt. Kulturnation Frankreich? Von wegen!

Und die Lebenserwartung? Auch die wird im HDI angegeben. In der CFA- Zone eine der niedrigsten der Welt. Man lebt schlecht, in Afrika, unter französisch-europäischer Herrschaft, dafür aber nur kurz.

Natürlich gefällt dies den CFA-Einwohnern nicht – aber sie kommen nicht raus aus dem CFA-System. Anti-CFA-Aktivist Kemi Seba wurde von Africanews, dem Partnersender von Euronews (sic!) zur Person des Jahresgewählt. Die Proteste sind mittlerweile so nachhaltig, dass selbst die Deutsche Welle dem einen Artikel widmete – wobei in einem Satz durchaus korrekt dargestellt wurde «Diese Länder haben die niedrigsten Einkommen der Welt und sind bitterarm.» Das hat man aber gleich wieder korrigiert, «Doch Seba ist umstritten: Laut Medienberichten hat er Verbindungen zu rassistischen und anti-semitischen Gruppierungen in Frankreich.» Kein Medienbericht als Beweis hinterlegt, kein Beweis für den Antisemitismus selbst vorgelegt – nur eine allgemeine Beschuldigung ohne Beweise. Wer gegen Frankreich aufbegehrt ist also vermutlich eine rassistischer Judenhasser, die Deutsche Welle versteht es, die Dinge in das Licht zu rücken, das Frankreich gut dastehen lässt.

Seit der Libyen-Intervention des Westens fehlt von Gaddafis Gold jede Spur. Das Gold hatte Gaddafi als Waffe gegen den CFA-Franc gedacht: «This gold was accumulated prior to the current rebellion and was intended to be used to establish a pan-African currency based on the Libyan golden Dinar. This plan was designed to provide the Francophone African Countries with an alternative to the French franc (CFA)» und weiter «“143 tons of gold, and a similar amount in silver,” posed to the French franc (CFA) circulating as a prime African currency. In place of the noble sounding “Responsibility to Protect” (R2P) doctrine fed to the public, there is this “confidential” explanation of what was really driving the war».

Sehr geehrte Leser, sollten sie irgenwo 143 Tonnen Gold und eine gleiche Menge Silber sehen, informieren sie die Regierung von Libyen, die sucht danach.

Der UN-Menschenhandels-Report hat seit ein paar Jahren den Auftrag, die Lage in bestimmenten CFA-Ländern nicht mehr zu untersuchen – sie sind nun ein weißer Fleck auf der Landkarte. Auf Seite 13 oben ist eine Landkarte – und im Rahmen derer gibt es weiße Flecke, die von der Kartenerklärung als „Countries and territories not covered“ geführt werden.

Weiße Flecke haben unter anderen die französisch-europäischen Finanzkolonien betreffen. Von den Sahel 5 sind 4 nicht erfasst, denn CFA-Mali, CFA-Burkina Faso, CFA-Niger und CFA-Tschad sind nicht im Menschenhandelsreport. Auch CFA-Gabun und CFA-Äquatorialguinea sind nicht erfasst. Ausgerechnet sechs von vierzehn europäisch-französischen Finanzkolonien, von denen man denken könnte, Europa wolle alles von ihnen wissen, werden nicht erfasst – wie das?

Honi soit qui mal y pense! Natürlich hat Frankreich hier nichts zu verbergen, also natürlich!

Die Zone Franc, die CFA-Zone, eine Hochburg der Frauenbeschneidung (Female Genital Mutiliation, FGM). Die Vereinten Nationen haben einen Report darüber. Auf dieser UNICEF-Website kann man per Menü das Land auswählen, das FGM praktiziert und worüber ein Landes-Report wegen FGM existiert. Folgende CFA-Länder sind erfasst: CFA-Benin, CFA-Burkina Faso, CFA-Kamerun, CFA-Zentralafrikanische Republik, CFA-Tschad, CFA-Elfenbeinküste, CFA-Guinea-Bissau, CFA-Mali, CFA-Niger, CFA-Senegal und CFA-Togo. Von den 14 europäisch-französischen Finanzkolonien machen haben 11 die Frauenbeschneidung als Element ihres Daseins.

Es sind 30 Staaten gelistet – 11 davon sind CFA-Länder, also französisch-europäische Finanzkolonien. Kulturnation Frankreich – Kulturregion Europa – wo ist dies in diesem Fall zu bemerken? Wo sind die Euro-Frauenrechtsgruppen?

Es gibt für Entwicklungsländer immer wieder einen Schuldenerlass, organisiert von IWF. Mit dabei sind jeweils CFA-Zonen-Staaten. Beim letzten Schuldenerlass 2016 waren 11 CFA-Staaten dabei: CFA-Benin, CFA-Burkina-Faso, CFA-Niger, CFA-Guinea-Bissau, CFA-Kamerun, CFA-Zentralafrikanische Republik, CFA-Senegal, CFA-Tschad, CFA-Togo, CFA-Elfenbeinküste und CFA-Mali. Also 11 der 14 CFA- Staaten sind vom Schuldenerlass betroffen, ihnen wurden 2016 alle Schulden erlassen. 36 bzw. 39 Länder sind in der Schuldenerlass-Übersicht, 11 davon europäisch-französische Finanzkolonien.

Es funktioniert so, dass die westlichen Länder Kredite geben, die Gelder im CFA-Modus versickern, also eine indirekte Finanzierung Frankreichs gemacht wird, und dann, diese Länder, die wenig bis gar nichts von den Geld hatten, einen Schuldenerlass bekommen. Statt Frankreich direkt zu finanzieren, nutzt man den Umweg über die CFA-Zone.

Frankreich hat seine Finanzkolonien immer finanziell ausgeräumt und deshalb gibt es in den Ländern Unruhen und militärische Aufstände – die Leute wollen besser leben und von den Franzosen nicht mehr ausgenommen werden. Frankreich hat eine Militäroperation in der CFA-Region laufen, sie nennt sich Operation Barkane.

Die Operation Barkane der Franzosen wird unterstützt von den UN, mit einer Militäroperation die sich MINUSMA nennt. Im CFA-Staat (der euro-französischen Finanzkolonie) Zentralafrikanische Republik – dem ärmsten Land der Welt – gibt es einen eigenen UN-Einsatz, MINUSCA genannt.

Frankreichs damaliger Präsident Hollande hat auch eine regionale Militärische Unterstützungsallianz gebastelt, sie nennt sich Sahel 5 und umfasst neben dem Nicht-CFA-Land Mauretanien auch die CFA-Länder und euro-französischen Finanzkolonien Mali, Burkina Faso, Niger und Tschad. Diese Länder haben eine gemeinsame Militärtruppe beschlossen die vor allem gegen Terrorismus aktiv sein soll. Auch die Deutsche Bundeswehr macht mit und nennt ihre Operation den „Mali- Einsatz“.

Europa hat gerade die PESCO (Permanent Structured Cooperation) geschaffen, die europäische Verteidigungsgemeinschaft, die wie schon angekündigt wird, in Afrika – also in der CFA-Zone – zum Einsatz kommen wird. Die «Süddeutsche» teilt mit: Zumindest am Anfang soll Pesco eben kein Verteidigungsbündnis sein, sondern ein Instrument, das militärische Investitionen und den Aufbau von Kapazitäten in der EU bündelt sowie einen besseren Rahmen für gemeinsame Operationen schafft, also etwa für Friedenseinsätze in Afrika.

Noch deutlicher sagt es die «Augsburger Allgemeine«: Es war viel von Afrika die Rede an diesem Montagmorgen, als Europa sein nächstes großes Gemeinschaftsprojekt aus der Taufe hob: 23 Staaten gründeten eine „permanente strukturierte Zusammenarbeit“, nach der englischen Abkürzung Pesco genannt. Ein Verteidigungsbündnis, das man aber, wie es Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn ausdrückte, „nicht nur militärisch verstehen darf“. Es gehe beispielsweise darum, den Afrikanern zu helfen, in der Unruheregion Sahel für Stabilität zu sorgen und diese dann auch zu sichern mit militärischen, aber auch rechtsstaatlichen, zivilen, humanitären und demokratischen Mitteln.

Man beachte, beide Zeitungen sprachen die CFA-Zone mit keinem Wort an. Dass dabei französisch-europäische Finanzkolonien militärisch bearbeitet werden sollten, Frankreichs Finanzkolonien und Finanzinteressen gesichert werden sollen, wird nirgends erwähnt. Es herrscht darüber absolutes Berichts-Verbot!

So funktioniert das System – relativ einfach – an der richtigen Stelle schweigen, an der richtigen Stelle verschweigen, und an der richtigen Stelle eine Auftragslüge – und schon ist alles OK. Natürlich kennen die Medien-Verantwortlichen all diese Fakten und Daten präzise und exakt, in allen Details, aber wenn Berichts-Verbot besteht, dann erfahren das die Medien-Konsumenten nicht!

Natürlich ist es verständlich, dass dies nicht publiziert wird, denn diese grottenschlechten Daten würden Frankreich vom Image-Olymp in die tiefste Image-Hölle sinken lassen – da wäre dann Griechenland noch Image-göttlich gegenüber den Franzosen. Das will man sich nicht leisten, also lügt man, um die Franzosen nicht mit Wahrheiten bloßzustellen.

Natürlich, verständlicherweise, würde man diese Daten in Korrektheit und Klarheit präsentieren, so wäre für viele so genannt intellektuelle Frankophile die Lebensgrundlage völlig entzogen. Man bewundert an Frankreich das Savoir vivre, eigentlich korrekt, l´art de vivre. Die Franzosen lassen es sich gut gehen – und keiner fragt wer das denn bezahlt hat, in der Vergangenheit und heute, dieses französische „sich gut gehen lassen“. Es waren und sind die CFA-Geknechteten, die französische Lebensart so „leicht-luftig“ machten und machen. Die CFA-Geknechteten finanzierten und finanzieren das Savoir vivre, das deutsche und österreichische Frankophile so bewundern.

Natürlich wollen frankophile Intellektuelle von diesen Fakten nichts hören. Und damit man diese ahnungslos-einfältigen so genannten Intellektuellen – die in Wahrheit völlig hirnlose Einfaltspinsel sind – nicht in ihren frankophilen Träumen stört, lügt man.

Frankreich kann aus eigener Kraft diese militärische Kriegszone in Afrika nicht mehr bewältigen. Frankreich ist mit seinem militärischen Latein am Ende. Nun soll Europa helfen, mit einem neuen Instrument, der PESCO. Europäisches Kanonenfutter soll Frankreichs Finanzinteressen in Afrika sichern.

Europa, unwissend ob der Hintergründe, ist mit Begeisterung dabei. 23 EU-Staaten machen mit, wohl auch deshalb, weil sie nicht wissen, welchen afrikanischen Alptraum, die französischen Akteure geschaffen haben.

Das Problem ist, dass Europa wohl kriegserfahren ist, aber unfähig. In den 1990er Jahren waren die Jugoslawien-Kriege, und noch heute ist im Kosovo ein NATO-Kontingent um den Frieden dort zu sichern. Afghanistan ist ein Desaster, während der Obama-Jahre hat sich das Gebiet der Taliban dort mehr als verdoppelt. Die afghanische Regierung kontrolliert nur mehr knapp über die Hälfte des Landes. Europa hat den sogenannten «Arabischen Frühling» mit gestaltet, den Krieg in Libyen, den Krieg in Syrien – und der Jemen-Krieg wäre ohne Europas militärische Unterstützung – Briten und Deutsche – für Saudi-Arabien nicht so locker führbar. Und der Krieg in Westafrika, in Europas Finanzkolonien, in der CFA- Zone, in Frankreichs Finanz-Kolonien – dasselbe Spiel. Europa verstrickt an allen Fronten, ohne eine Idee, wie man denn entweder erfolgreich beenden oder herauskommen sollte.

Europa ist unfähig, wie die Realitäten beweisen, völlig unfähig. Grotesk wird es dann, wenn Europas Politiker mit klugen Äußerungen zu beispielsweise der Katar-Blockade, Frieden in Arabien, Iran und anderem Stellung nehmen, also anderen erklären wollen, wie sie denn Konflikte lösen sollen. Die erwiesen Unfähigen stellen sich hin und wollen Schulmeistern – welch lächerliche Figuren! Ihnen fällt nicht auf, dass sie auf Grund der weltweit dargestellten EU-Unfähigkeit keine Glaubwürdigkeit mehr haben. Natürlich flüchten diese Scharlatane vor den Problemen die sie selbst haben, und versuchen mit den Ratschlägen für andere, von der eigenen Unfähigkeit abzulenken. Gabriel, Steinmeier, Mogherini, Merkel und Co – lächerliche Figuren deren Einfalt nur mehr von ihrer Ignoranz und Ihrem Größenwahn übertroffen wird.

Ob die wohl wissen, wo Gaddafis Gold ist, mit dem er den CFA-Franc aushebeln wollte?

Dieses Gruselkabinett der Unfähigkeit führt Europa nun in einen ausgeweiteten Afrika-Krieg. Europa darf sich schon mal anfangen zu fürchten. Nicht so sehr vor den afrikanischen Kriegern, sondern vor der Unfähigkeit der europäischen Führungspersonen.

Quelle: Contra Magazin

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