Die Geschichte der Ukraine-Krise wird durch politische Mythen und die professionelle Inkompetenz der amerikanischen Medien verzerrt, wie der Russland-Experte und Ehrenprofessor der Princeton University und der New York University, Stephen Cohen, meint, den das Magazin „The Nation“ zitiert.

In einer Diskussion mit dem Rundfunkmoderator John Batchelor räumte er ein, der Regelung dieser Krise würden zwei diametrale Versionen ihres Ausbruchs im Wege stehen.

Laut der ersten – der Version der USA – ist es ausschließlich einen „Aggression“ des Kremls und Putins. Laut der zweiten – der Version Russlands – ist es eine „Aggression“ der Europäischen Union und der Nato, hinter der Washington steht. Cohen meint, dass es in dieser Geschichte viele „dumme Absichten, Irrtümer und Fehlkalkulationen“ gebe. Allerdings sei die Version Moskaus, die die amerikanischen Medien vollständig ignorieren würden, seines Erachtens den historischen Realitäten der Jahre 2013-2014 wohl am nächsten.

Cohen erinnerte daran, dass sich Putin im Januar 2014 auf die Olympiade in Sotschi vorbereitet und beabsichtigt habe, zu demonstrieren, dass Russland ein unabhängiger und vertrauenswürdiger Partner in internationalen Angelegenheiten sei. Und deshalb habe Putin keinerlei Veranlassung gehabt, eine umfangreiche Krise mit dem Westen oder mit der „brüderlichen“ Ukraine zu provozieren.

„Vernünftige oder nicht, doch alle seine Schritte waren seitdem hauptsächlich reaktiver, aber keineswegs ‚aggressiver‘ Art, einschließlich seiner Handlungen auf der Krim und im Osten der Ukraine“, stellte der Professor fest.

Er machte darauf aufmerksam, dass der Ausbruch der Krise durch die Partnerschaftsvereinbarung beschleunigt worden sei, die die EU dem Präsidenten der Ukraine, Viktor Janukowitsch, angeboten und auf die jener im November 2013 verzichtet hatte. Putin und seine Vertreter seien damals bemüht gewesen, die EU zu überzeugen, die Wirtschaftsvereinbarung mit der Ukraine „dreiseitig“ zu machen, d. h. auch Moskau einzubeziehen. Wie dem auch sei haben die EU-Spitzenpolitiker dies abgelehnt und Kiew suggeriert, eine Wahl zwischen Russland und dem Westen zu treffen, ergänzte Cohen.

Der Professor erklärte ferner, dass westliche Strukturen viele Jahre lang „Milliarden Dollar in die Ukraine investiert haben, um es auf die ‚zivilisierten‘ Werte des Westens vorzubereiten. Demnach hat der ‚Marsch‘ in die Ukraine lange vor den Ereignissen auf dem Maidan begonnen.“ Aus diesem Grunde äußerte Cohen Zweifel daran, ob man den Umsturz im Februar 2014 überhaupt eine „demokratische Revolution“ nennen könne, wo doch ein Teil der oligarchischen Kräfte an Ort und Stelle geblieben sei.

„Die antidemokratischen Wurzeln des heutigen Regimes fahren fort, sich auf seine Tätigkeit auszuwirken. Präsident Petro Poroschenko ist unter den Ukrainern äußerst unbeliebt geworden. Sein Regime bleibt durch und durch korrumpiert“, ergänzte Cohen.

Quelle: Sputnik

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