Der russische Energiekonzern Gazprom hat im vergangenen Jahr 193,4 Milliarden Kubikmeter Gas in das so genannte „ferne Ausland“ geliefert und damit einen neuen Rekord aufgestellt, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag.

Das führte der Chef des Gasriesen, Alexej Miller, an. Nach seinen Worten wurde der vorjährige Höhepunkt um 14,6 Milliarden Kubikmeter (8,1 Prozent) übertroffen.

„Das zeigt einerseits den intensiv wachsenden Bedarf der europäischen Länder am russischen Gas und andererseits die Zuverlässigkeit der Lieferungen in den nötigen Mengen“, so Miller.

Gazproms größter europäischer Kunde ist und bleibt Deutschland mit 53,4 Milliarden Kubikmeter im vergangenen Jahr, was ebenfalls ein historischer Rekord ist. Allerdings geht das Wachstumstempo des deutschen Marktes für den russischen Konzern seit drei Jahren zurück. Aber selbst die aktuellen Mengen sind mit der Kapazität der aktuell funktionierenden Pipeline Nord Stream vergleichbar, und das ist ein zusätzliches Argument für ihren geplanten Ausbau.

Der Tarif für die Gasbeförderung durch die Ostsee sei 20 Prozent geringer als für den Transit durch die Ukraine, hatte Miller noch im Sommer 2016 angeführt. Deshalb sind die westeuropäischen Länder, die den Gasimport aus Russland durch Deutschland bevorzugen würden, auf den zweiten Nord-Stream-Strang quasi angewiesen.

Zahlenmäßig hat die Türkei ihren Gasimport aus Russland ausgebaut. Sie kaufte 4,24 Milliarden Kubikmeter mehr als im Vorjahr. Prozentmäßig ist Österreich Spitzenreiter (um fast 40 Prozent).

Gazproms neuer Gasexport-Rekord lasse sich sowohl auf die wachsende Nachfrage als auch auf die Konkurrenzfähigkeit seiner Preise zurückführen, meint Experte Dmitri Marintschenko (Fitch). Allerdings sei vorerst schwer zu sagen, wie sich der Marktanteil des Konzerns verändert habe. 2016 habe er bei nahezu 34 Prozent gelegen und sei jetzt vermutlich gewachsen, „aber nur unwesentlich“, denn auch Norwegen habe beispielsweise seine Gaslieferungen auf den europäischen Markt um sieben Prozent aufgestockt, ergänzte der Branchenkenner.

In erster Linie haben die Länder ihren Gasimport aus Russland vergrößert, die künftig den Brennstoff aus den Leitungen Nord Stream 2 und Turkish Stream bekommen könnten.

„Vermutlich übte Gazprom eine flexible Preispolitik gegenüber den Ländern aus, für die diese Projekte bestimmt sind. Denn letztendlich wird der Umfang der Lieferungen vor allem durch den Gazprom-Preis gegenüber dem Preis der Konkurrenz bestimmt, als durch andere Momente“, sagte Marintschenko weiter.

In diesem Jahr könnte der Marktanteil des russischen Konzerns etwas zurückgehen, und zwar wegen des voraussichtlichen Wachstums der Flüssiggaslieferungen aus den USA. Doch dieser Rückgang dürfte nicht besonders groß sein, denn das amerikanische LNG werde großenteils auf den asiatischen Markt geliefert, wo die Preise wesentlich höher seien. Hinzu käme die Wiederaufnahme der Lieferungen in die Ukraine. „Auf Beschluss des Schiedsgerichts wird das ‚Take-or-pay‘-Prinzip gegenüber vier Milliarden Kubikmeter pro Jahr angewandt, und man kann nicht ausschließen, dass diese Menge zusätzlich zulegt.“ Doch dabei gehe es eher um die Berechnungsmethode, und grundsätzlich spiele das keine entscheidende Rolle, stellte der Experte fest.

Quelle: Sputnik

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