Die USA wollen in diesem Jahr einen neuen Rekord aufstellen und die durchschnittliche Ölförderung auf mehr als zehn Millionen Barrel pro Tag aufstocken, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

Das Vorgehen von US-Präsident Donald Trump dürfte Moskau immer mehr enttäuschen: In dieser Woche sagte er beispielsweise, es wäre für Washington besser, mit Russland zusammenzuwirken, als Feinde zu sein, ergänzte aber zugleich, dass er „für mehr Öl, Gas und Energie“ eintrete. „Wladimir Putin kann das nicht gefallen. Ich trete für die stärksten Streitkräfte ein, die die USA jemals hatten. Auch das kann Putin nicht gefallen“, so der Herr des Weißen Hauses.

Laut dem US-Energieministerium hatten die Vereinigten Staaten im Jahr 2017 im Durchschnitt täglich 9,3 Millionen Barrel Öl gewonnen. Im Dezember belief sich diese Zahl sogar auf  9,9 Millionen.

Voraussichtlich wird die Ölförderung in Übersee im neuen Jahr im Durchschnitt bei 10,3 Millionen Barrel und 2019 bei 10,8 Millionen Barrel pro Tag liegen. Aktuell gewinnen nur Russland und Saudi-Arabien so viel Rohöl.

Darüber hinaus beschloss die Trump-Administration Anfang Januar, die Ölförderung am Schelf wiederaufzunehmen, dessen Erschließung seit mehreren Jahrzehnten verboten war. Zwischen 2019 und 2024 käme dabei insgesamt 47 Vorkommen infrage: sieben im Stillen Ozean (insbesondere vor der Küste Kaliforniens), neun im Atlantik (vor allem im Golf von Florida), zwölf im Golf von Mexiko und 19 vor Alaska.

Allerdings sind bereits mehrere US-Bundesstaaten dagegen aufgetreten – aus Angst vor negativen Folgen für die Umwelt und die touristische Branche. Die Einwände Floridas mussten sogar akzeptiert werden. Höchstwahrscheinlich werden auch die Behörden Kaliforniens dabei Erfolg haben.

Manche Branchenkenner meinen, dass die USA nicht nur zu einer Öl-Supermacht aufsteigen werden, sondern dies bereits geschehen ist.

„Die USA scheinen das Unmögliche geschafft zu haben: Den in den frühen 1970er Jahren erreichten Höhepunkt der Ölförderung zu übertreffen“, sagte Professorin Olga Malikowa von der Russischen Akademie der Volkswirtschaft und des Staatsdienstes.

Dies sei „vor allem dank kleinen und mittelständischen Unternehmen“ möglich geworden, die erfolgreich neue Technologien zur Ölförderung einsetzen.

Die Amerikaner beeinflussen schon jetzt den gesamten globalen Ölmarkt – selbst wenn sie Entscheidungen treffen, die die Öl- bzw. Gasbranche nur indirekt betreffen, sagte seinerseits Jaroslaw Kabakow (FINAM).

Einige Experten bleiben aber skeptisch bezüglich der Perspektiven der USA in der Öl- und Gasbranche. „Das Öl von neuen Vorkommen wird allmählich das Öl ablösen, das auf alten Vorkommen gewonnen wird“, so Artjom Malow von der Business School Skolkowo. „Es wird auf dem Markt also kein Überangebot und keinen Absturz der Ölpreise geben.“

„Trumps Entscheidungen könnten zum Wachstum der Ölförderung in den USA und zum Rückgang der globalen Nachfrage führen, und das wäre schlecht für die Ölpreise“, meint Schanna Kulakowa (TeleTrade). „Um aber eine Öl-Supermacht und ein ‚reiner‘ Ölexporteur zu werden, müssten die USA die Ölförderung enorm aufstocken, was in den nächsten fünf oder sechs Jahren kaum möglich ist.“

Die Expertin führte an, dass die USA Ende des vergangenen Jahres etwa zwei Millionen Barrel täglich exportiert haben, wobei aber ihr Ölimport bei nahezu acht Millionen Barrel gelegen habe.

Dennoch schließen die Experten nicht aus, dass Russland deswegen auf gewisse Probleme stoßen könnte.

„Theoretisch könnten die USA den Ölmarkt in Asien beeinflussen, wo Russland seine Interessen hat“, so Malow. „Die USA haben alle nötigen Instrumente, um ihren Traum von der energetischen Dominanz zu erfüllen – sie könnten dabei Russland bedrängen“, sagte seinerseits der Erste Vizepräsident des Russischen Ingenieursverbandes, Iwan Andrijewski. Aber in absehbarer Zeit werde das nicht passieren, ergänzte er.

Übersetzung: Sputnik

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