Trotz der Sanktionspolitik gegen Moskau sind die Gas-Importe der Europäischen Union aus Russland auf einen Rekordwert gestiegen, wie die Zeitschrift „The European“ schreibt.

Nach Angaben des Energiekonzerns Gazprom flossen im vergangenen Jahr rund 195 Milliarden Kubikmeter Gas nach Mittel- und Westeuropa (inklusive der Türkei). Das sind 8,1 Prozent mehr als im Vorjahr, Deutschland bleibt weiterhin größter Abnehmer.

Der Europäische Rat habe einstimmig wirtschaftliche Strafmaßnahmen gegen Russland beschlossen. Die russische Wirtschaft bekomme das zu spüren, etwa die Banken. Doch der russische Energiesektor spüre eher wenig von dem Boykott, meint der Autor des Beitrags, Wolf Achim Wiegand. Die neuen Gazprom-Verkaufszahlen würden dies belegen.

Die EU habe seit einem Jahrzehnt postuliert, die Rohstoffabhängigkeit vom „politisch unzuverlässigen“ Russland verringern zu wollen. Und doch floriere der Gashandel von Ost nach West. „Letztlich steht die EU damit düpiert gegenüber Kreml-Herrscher Wladimir Putin da“, schreibt Wiegand.

Dabei reden manche deutsche Politiker von einem Aufweichen der Sanktionspolitik. Eine Normalisierung der Geschäfte dürfe aber nur erfolgen, wenn Russland bereit sei, sich an international bindende Gepflogenheiten zu halten. Es gäbe also Einiges zu bereden in Brüssel, hieß es.

Die EU-Staaten müssen schauen, ihren Hunger nach Energie verstärkt durch eine konsequent diversifizierte Beschaffung und mit neuen Energietechnologien zu stillen, meint der Autor.  Flüssiggas (LNG) öffne dabei ein Fenster für neue Blicke aufs Gasgeschäft – es könne global via Tankschiffen quer über die Weltmeere an den Kunden gebracht werden, und damit entfalle der starre Lieferweg über Rohre von Punkt zu Punkt, den Russland und insbesondere der faktische Pipeline-Monopolist Gazprom nutze.

Die wichtigsten LNG-Exporteure seien Katar, Malaysia, Indonesien und Australien. Auch die USA drängen beim Energie-Export nach vorne und wollen zur stärksten Energie-Supermacht der Welt werden. „In der Tat mausern sich die Vereinigten Staaten zum Energie-Selbstversorger“, so Wiegand.

Pekuniäre Aspekte seien auch wichtig und richtig. Aber zugleich dürfe sich die Wertegemeinschaft EU nicht dem möglichen politischen Druck Russlands ausliefern. „Deshalb ist das Gazprom-Gas ein gefährliches Gift für unsere Glaubwürdigkeit“, schreibt der Autor.

Quelle: Sputnik

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