Unbekannte haben serbischen Kosovo-Politiker Oliver Ivanović in Severna Mitrovica erschossen. Serbiens Präsident Vučić berief eine Dringlichkeitssitzung des nationalen Sicherheitsrats ein. Serbiens Delegation unterbrach die Kosovo-Verhandlungen in Brüssel.

Das Attentat auf den serbischen Politiker Oliver Ivanović im Kosovo sei ein Akt des Terrorismus. Das sagte der Präsident Serbiens, Aleksandar Vučić, nach einer dringlich einberufenen Sitzung des Rates für nationale Sicherheit in Belgrad. Die im Anschluss abgehaltene Pressekonferenz nutzte er, um die noch in der Provinz lebenden Serben dazu aufzurufen, Ruhe zu bewahren. Serbien sei bereit, die Kosovo-Behörden bei den Ermittlungen zu unterstützen. Unabhängig davon werde Belgrad selbst ein Ermittlungsverfahren einleiten. Die Verhandlungen mit der Regierung des Kosovo über die Normalisierung der Beziehungen zwischen Serbien und der abtrünnigen Provinz werde Belgrad fortsetzen.

Schüsse aus fahrendem Auto

Der Vorsitzende der Bürgerinitiative «Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit», Oliver Ivanović, wurde heute Morgen vor dem Büro seiner Partei im serbischen Teil der Stadt Kosovska Mitrovica erschossen. Unbekannte Täter sollen mehrere Schüsse auf ihn abgefeuert haben. Der serbischen Nachrichtenagentur Tanjug zufolge haben die Kugeln den ehemaligen Staatssekretär im serbischen Ministerium für Kosovo und Metochien im Brustbereich getroffen. Er wurde ohne Lebenszeichen ins dortige Krankenhaus eingeliefert und notoperiert. Der Klinik-Direktor sagte gegenüber dem öffentlich-rechtlichen serbischen Sender RTS, dass man dem Politiker nicht mehr helfen konnte.

Serbische Medien berichten, dass die noch unbekannten Täter aus einem Auto auf den Politiker geschossen haben, das kurze Zeit später ausgebrannt gefunden wurde.

Von 16. bis 18. Januar sollten Serbiens Vertreter in Brüssel weitere Verhandlungen mit Repräsentanten des Kosovo führen. Marko Djurić, der Leiter der serbischen Delegation bei der laufenden EU-Vermittlung, verließ die Verhandlungen. Die Serben werden heute zurück nach Belgrad reisen. «Das ist eine verbrecherische und terroristische Tat, die bestraft werden muss», begründete er diesen Schritt. Dieser Mord habe eine «Destabilisierung der Situation» in der Provinz zum Ziel.

Ivanović galt als gemäßigter serbischer Politiker, der auch Albanisch sprach

Oliver Ivanović hat bei den letzten Kommunalwahlen im Kosovo im Oktober des Vorjahres als Spitzenkandidat der Bürgerinitiative «Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit» kandidiert. Seine Liste gewann drei Sitze im Lokalparlament in Severna Kosovska Mitrovica, dem nördlichen, serbischsprachigen Teil der Stadt. Seit 1999 vertritt Ivanović als von Belgrad anerkannter Führer die serbische Minderheit in der abtrünnigen Provinz. Er galt als gemäßigter Politiker, der auch gute Beziehungen zur albanischen Mehrheit in dem früheren Bürgerkriegsgebiet unterhielt. Der 64-Jährige kam selbst im Kosovo zur Welt und sprach auch Albanisch.

Politiker aller serbischer Parteien äußerten ihre Bestürzung über das Attentat und waren sich einig, das dieses den Dialog zwischen Belgrad und Pristina über die Zukunft der Provinz deutlich erschweren würde.

2016 wurde Ivanović von einem internationalem Eulex-Gericht im Kosovo wegen angeblicher Verbrechen an einer Gruppe Kosovo-Albaner am 14. Juli 1999 zu neun Jahren Haft verurteilt. Ein Zeuge soll ihn am Tatort gesehen haben. Im Februar 2017 hob ein Berufungsgericht im Kosovo die Haftstrafe auf, der Prozess wurde im August 2017 neu aufgerollt. Das Urteil war umstritten und galt als politisch motiviert.

Quelle: RT

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