Was passiert, wenn es im Luftraum über dem Südchinesischen Meer keine gefährlichen Vorfälle mit Kampfjets mehr gibt? Das Undenkbare: Dann gerät die US-Dominanz in der Pazifikregion ins Wanken, schreibt der Politikexperte Dmitri Kosyrew für „Sputniknews“.

Wenn bei der Flugabwehr die Alarmglocken schrillen, weil auf dem Radarschirm etwas auftaucht, was da nicht sein sollte, dann wäre es gut, die zuständigen Militärs und Politiker in den Ländern einer Region hätten einen direkten Draht zueinander: So können Kriege vermieden werden, die sonst wegen Missverständnissen ausbrechen würden.

Genau so einen direkten Draht wollen die ASEAN-Länder derzeit einrichten. Genauer gesagt ist der direkte Draht nur Teil einer klar geregelten Verhaltensordnung zur Vermeidung von Zwischenfällen.

Die ASEAN-Länder, das sind die Anrainerstaaten des Südchinesischen Meeres außer China. Und sie alle haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wem welches Stück dieses Meeres wie gehört: Da gibt es Seegebiete in der Region, die gleich von drei oder vier Ländern für sich beansprucht werden.

Eine Verhaltensordnung für den Ernstfall – ein Friedenskodex sozusagen – sei in solch einer Gegend überfällig, schreibt der Journalist. Deshalb haben die Außen- und Verteidigungsminister der ASEAN-Länder diese Woche in Singapur getagt und laut dem Journalisten vereinbart, so einen Regelkatalog bis nächsten Oktober zu erarbeiten.

Nach der Erarbeitung muss China sich diesem Friedenskodex noch anschließen, damit er auch in der Praxis funktioniert. Einen Präzedenzfall gibt es bereits, wie der Politikexperte schreibt: Erst vor einem Jahr hat die Volksrepublik mit den ASEAN-Staaten eine solche Verhaltensordnung vereinbart, jedoch für Zwischenfälle auf dem Meer – und sie funktioniert seitdem gut, Vorfälle Fehlanzeige.

Beim Luftraum sieht die Sache schon etwas komplizierter aus, doch rechnen die ASEAN-Minister auch diesmal mit Pekings Zustimmung. So würden also bald Frieden und Freude in der Pazifikregion einkehren, schreibt Kosyrew, wenn da nicht der Aufschrei der US-Diplomaten wäre: „Und was ist mit uns?!“

Denn die bisherige Außenpolitik der Vereinigten Staaten in dieser Region – also die Außenpolitik aus der Zeit Clintons und Obamas –  baute auf folgendem Konzept auf: Wenn die Chinesen euch bedrohen, dann ruft uns, die USA. Wir schicken dann Flugzeugträger und bauen ein paar Stützpunkte auf eurem Gebiet, zur Abschreckung. Ausgerechnet einige ASEAN-Mitglieder fassten dieses Konzept mit gewissem Optimismus auf.

Parallelen zum Ostsee- oder Schwarzmeerraum seien übrigens nicht zu übersehen, schreibt der Analyst. Die US-Strategie sei auch in dieser Region die gleiche: Da ernennt Washington eine Großmacht zum Bösen, der seine Nachbarn angeblich terrorisiert – in diesem Fall Russland – und bietet dann Hilfe an, in Form von Armeepräsenz.

Was wäre aber, schreibt der Journalist, wenn die Ostsee- oder die Schwarzmeeranrainer einen solchen Friedenskodex für den Ernstfall ausarbeiten würden, wie die ASEAN-Länder dies bereits tun? Wenn man vereinbart, sich in unklaren Situationen miteinander in Verbindungen zu setzen? Konflikte würden vermieden, Spannungen auch.

Genau so eine Verhaltensordnung schlägt Moskau derzeit vor, als Reaktion auf das ständige Auftauchen von Nato-Flugzeugen und —Schiffen unweit russischer Grenzen.

Aber zurück zur Pazifikregion und zur Frage, was aus der dortigen US-Dominanz werden soll. In der Gegend habe sich ja vieles getan, so der Analyst weiter. Und wenn China keine Bedrohung mehr sei, wenn Spannungen durch einen Friedenskodex abgebaut würden – was sollen die USA, unwillig ihre Machtstellung aufzugeben, dann tun?

Ein Krieg etwa? No way. China und die USA haben ohnehin wirtschaftliche Mittel, deren Einsatz einer gegenseitigen Vernichtung gleichkäme, sagt Dr. Hugh White, Verteidigungsexperte an der Australian National University. „Die Folgen eines wirtschaftlichen Bruchs wären für beide Länder derart katastrophal, dass so ein Bruch fast undenkbar erscheint“, so der Wissenschaftler laut dem Journalisten.

Also versuchen die USA unter Trump, diese Verflechtung schrittweise und vorsichtig aufzubrechen, so der Wissenschaftler White. „Make America great again“ heißt ja, die US-Investitionen in Asien sollen in die USA zurückfließen. Die Einsätze bei diesem Spiel sind jedoch gigantisch. Und wenn die Vereinigten Staaten sich verspielen, wird deren Position in Asien jener der Europäer ähneln: Gewaltige wirtschaftliche Interessen in der Region bei fehlender strategischer Präsenz. Nein, so einen Frieden wollen die Vereinigten Staaten mit Sicherheit nicht.

Quelle: Sputnik

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