The Intercept hat am Mittwoch tausende Einträge aus der internen Kommunikation von WikiLeaks veröffentlicht. Demnach bezog die Enthüllungsplattform und ihr Begründer Julian Assange während des US-Wahlkampfes im Jahr 2016 alles andere als eine neutrale Position.

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks wurde nun selbst zur Zielscheibe eines Leaks. The Intercept veröffentlichte am Mittwoch über 11.000 Einträge aus einer internen Twitter-Chat-Group, bei der es sich laut Eigenbeschreibung um einen „Kanal mit niedriger Sicherheitsstufe“ für „langjährige und zuverlässige Unterstützer“ handelt, den Julian Assange auch als „WikiLeaks Task Force“ bezeichnete.

Über den offiziellen Twitter-Account kommunizierte der WikiLeaks-Gründer mit zehn Unterstützern der Plattform. Zumindest geht The Intercept davon aus, dass Assange alleine den Twitter-Kanal im Namen der Plattform bedient. Über eintausend der geleakten Einträge, die zwischen Mai 2015 und November 2017 verfasst wurden, stammen demnach von dem Australier.

Das Material enthält keine sensiblen Informationen zu internen Abläufen oder externen Verbindungen, wie The Intercept feststellen musste:

Sie verraten nichts Neues über die Beziehung von WikiLeaks zur Trump-Kampagne. […] Die Chats beleuchten keine Verbindungen mit der russischen Regierung oder erzählen uns etwas über die Identität der Quelle, die WikiLeaks mit E-Mails des Demokratischen Nationalkomitees und des Clinton-Kampagnenleiters John Podesta versorgt hat.

WikiLeaks und Hillary Clinton 

WikiLeaks hatte während des laufenden US-Präsidentschaftswahlkampfs E-Mails aus den Reihen der Demokraten veröffentlicht, die kein gutes Licht auf deren Kandidatin Hillary Clinton warfen. Dabei handelte es sich primär um die Korrespondenz ihres Wahlkampfleiter John Podesta.

Der Plattform wurde daraufhin vorgeworfen, mit der Enthüllung und deren Zeitpunkt Clinton gezielt zugunsten ihres republikanischen Herausforderers Donald Trump torpediert zu haben. Ein berechtigter Vorwurf, wie sich den nun geleakten Chat-Protokollen entnehmen lässt. „Wir glauben, es wäre viel besser, wenn die GOP („Grand Old Party“, die Republikaner) gewinnt“, schrieb WikiLeaks beziehungsweise Assange im November 2015.

Mit Clinton als Präsidentin steige die Kriegsgefahr deutlich an, so die Begründung. Zwar verfolgten auch die Republikaner eine interventionistische Politik, doch diese träfen dabei auf eine stärkere Opposition.

Enthüllt: US-Magazin veröffentlicht interne WikiLeaks-Kommunikation

Assanges Denken scheint nicht in einer ideologischen Übereinstimmung mit den Rechten in den USA verwurzelt zu sein, sondern in der taktischen Annahme, dass ein republikanischer Präsident mit einer aggressiven militärischen Position auf mehr Widerstand treffen würde, als eine interventionistische Präsidentin Hillary Clinton“, so die Einschätzung von The Intercept.

Einmal im Präsidentenamt, verfüge Clinton über eine „größere Freiheit zum Beginn eines Krieges“, heißt es in einem Eintrag zur ehemaligen First Lady, die an anderer Stelle als eine „schlaue, gut vernetzte, sadistische Soziopatin“ beschrieben wird. Ihre „Rolle im Libyen-Krieg sollte sie zu Fall bringen“, so Assange, doch die Republikaner stünden in zu enger Beziehung zu Profiteuren des Krieges, um Clintons Rolle für sich auszunutzen.

Enthüllt: US-Magazin veröffentlicht interne WikiLeaks-Kommunikation

Whistleblower begründet Leak mit fehlender Neutralität

Die Parteinahme gegen die Demokratin und für Trump habe für ihn den Ausschlag gegeben, das Material an The Intercept zu übergeben, erklärte der ehemalige WikiLeaks-Unterstützer „Hazelpress“. Das stehe im Widerspruch zur Selbstbeschreibung der Organisation als neutral und transparent. Aufgrund des großen Einflusses, den die Enthüllungsplattform ausübe, seien alle Aussagen ihres Gründers „im öffentlichen Interesse“, so der Whistleblower.

Auch wenn die Chat-Protokolle die Voreingenommenheit von WikiLeaks gegenüber Clinton beweisen, so handelt es sich dabei um keine neue Erkenntnis. Aus seiner – auf Beidseitigkeit beruhenden – Abneigung gegenüber der Demokratin hat Assange schließlich nie einen Hehl gemacht.

Russland: Angst vor Regime-Change

Die veröffentlichten Protokolle geben auch einen Einblick in die Ansichten des 46-Jährigen zu Russland. So heißt es in Einträgen vom 13. Juni 2015:

Russland betreibt eine unabhängige Außenpolitik und seine Waffenverkäufe sind das Einzige, was den Anschein der Unabhängigkeit für kleinere Staaten aufrechterhält. Russland ist völlig verängstigt. Kalingrad, Krim und seine einzige ausländische Marinebasis in Syrien sind alle bedroht und werden nicht durch die strategische Tiefe Russlands geschützt. Unterdessen hacken die USA die Russen wie verrückt und versuchen, eine orangene Revolution in einer explizit erklärten Politik des Regimewechsels zu erzwingen. Infolgedessen ist der Kreml zutiefst paranoid gegenüber jedermann, einschließlich ausländisch finanzierter NGOs und ins Land eindringender «westlicher» Kulturpraktiken wie Schwule und dem Internet. Das drängt ihn dazu, autoritärer vorzugehen, weil er fürchtet, durch die US-Subversion gestürzt zu werden.

Die Entwicklung neuer Waffen durch die USA und das Vorgehen Washingtons in der Ukraine versetze die herrschende Klasse in Russland in Angst, so Assange.

Die Veröffentlichung der internen Kommunikation ist der zweite Tiefschlag, die er innerhalb von Tagen hinnehmen musste. Erst am Dienstag hatte ein britisches Gericht beschlossen, den Haftbefehl gegen ihn aufrechtzuerhalten. Assange muss daher weiter in der ecuadorianischen Botschaft in London ausharren, in die er sich im Jahr 2012 geflüchtet hatte.

Quelle: RT

 

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