Der Fall des Welt-Reporters Deniz Yücel erreichte wieder mal den Bundestag: Die AfD wollte, dass bestimmte Aussagen des freigelassenen Journalisten vom Bundestag missbilligt werden. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt. Bestimmte Äußerungen Yücels unter anderem in der taz, werden als Satire kleingeredet und Kritiker der AfD werfen der Partei vor, man habe keine Ahnung von journalistischen Stilformen, weil die strittigen Aussagen als Satire zu verstehen seien.

In der Kolumne «Super, Deutschland schafft sich ab!» wurden die Zitate gegen Deutschland getätigt. Darin heißt es unter anderem:

Woran Sir Arthur Harris, Henry Morgenthau und Ilja Ehrenburg gescheitert sind, wovon George Grosz, Marlene Dietrich und Hans Krankl geträumt haben, übernehmen die Deutschen nun also selbst, weshalb man sich auch darauf verlassen kann, dass es wirklich passiert….Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite. Eine Nation, deren größter Beitrag zur Zivilisationsgeschichte der Menschheit darin besteht, dem absolut Bösen Namen und Gesicht verliehen und, wie Wolfgang Pohrt einmal schrieb, den Krieg zum Sachwalter und Vollstrecker der Menschlichkeit gemacht zu haben.

Diese Kolumne will man nur in den Leitmedien und in der Politik als Satire verstanden haben. Aber der Text des ehemaligen taz-Autors ist als Kolumne und nicht als Satire geführt. Auch wird Yücel als Kolumnist genannt. Die Kolumne bezeichnet in der Presse einen kurzen Meinungsbeitrag als journalistische Kleinform. Der Autor einer regelmäßig erscheinenden Kolumne wird Kolumnist genannt, so die Kurzdefinition auf Wikipedia. Der Kolumne nahestehend, und nicht immer klar von ihr zu unterscheiden, sind die Glosse, die Causerie und der Kommentar, die laut Wikipedia voneinander abzugrenzen sind. Das Wort Satire sucht man bis jetzt vergeblich. Die Glosse steht der Satire wohl am nächsten.Satire ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Typisches Stilmittel der Satire ist die Übertreibung, so wiederum die Kurzbeschreibung von der Kunstform Satire auf Wikipedia. Satire gibt es in der taz im Übrigen auch, die man dort «Die Wahrheit» nennt.

Aus den oberen Definitionen geht hervor, dass die Kolumne eine «journalistische Kleinform» und Satire eine «Kunstform» ist, die man also von einander abgrenzen soll und auch so kennzeichnen soll. Beide Formen werden Deutschland durch den Artikel 5 Grundgesetz geschützt. Der erste Absatz schützt die Presse- und Meinungsfreiheit, der dritte Absatz schützt die Kunstfreiheit. Linke Medien und Politiker werfen nun der rechten Seite vor, dass sie keine Ahnung von Journalismus haben, weil sie die Stilformen nicht voneinander unterscheiden können. Die oben genannte Kolumne sei doch als Satire zu verstehen. So auch die Bild-Zeitung gestern im Artikel über den gescheiterten AfD-Antrag, wo es heißt:

Der AfD-Antrag bezog sich auf satirische und besonders bissige Texte in der „tageszeitung“ („taz“), wo Yücel bis 2015 arbeitete.

Was die Bild-Zeitung momentan von Satire hält, lässt sich im Streit von Titanic-Magazin gerade entnehmen. Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD im Bundestag, Carsten Schneider, sieht in dem AfD-Antrag „einen Angriff auf die Grundwerte in Deutschland“. Schneider sagte am Mittwoch in Berlin, die AfD habe damit eine Grenze überschritten. Die Partei greife die journalistische Freiheit an, so die Zeitung aus dem Axel-Springer-Verlag, der inzwischen auch der Welt-Reporter Yücel angehört. Der Deutsche Journalistenverband geht noch einen Schritt weiter.

„Es ist geradezu absurd, daß die AfD den Bundestag als Bühne für ihr gestörtes Verhältnis zur Presse- und Meinungsfreiheit benutzen will“, kritisierte DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall. Erneut stelle die AfD unter Beweis, daß sie nicht zwischen journalistischen Stilformen unterscheiden könne. Bewußt versuche sie, satirische Äußerungen als Tatsachenbehauptungen hinzustellen. „Das sollten sich die Abgeordneten der anderen Parteien nicht bieten lassen“, schreibt die Zeitung «Junge Freiheit».

Doch wie man an den oberen Ausführungen sehen kann, unterscheidet gerade die größte Journalisten-Lobby hier selbst falsch oder im Zweifel sehr willkürlich, was nun Meinung oder Satire sein soll. Natürlich darf ein Journalist auch satirische Texte verfassen und soll auch leidenschaftlich und bissige Zeilen verfassen, aber dann soll man das auch so deklarieren, damit es auch Leuten aus der AfD, dem der Deutsche Journalistenverband (DJV) die Fähigkeit abspricht, journalistische Darstellungsformen unterscheiden zu können. Man stelle sich nur mal das umgekehrte Beispiel vor.

Die «Junge Freiheit», die man dem rechten journalistischen Spektrum zuordnet, würde nun einen ähnlichen Text wie Yücel veröffentlichen und nicht über die Deutschen in dieser Form schreiben, sondern über Türken oder Kurden. Das Echo aus Medien und Politik wäre sicherlich vernichtend gewesen und der DJV würde sicher auch keine Satire darin erblicken, sondern dem Kolumnisten bitteren Ernst nachsagen und möglicherweise wäre längst wegen Volksverhetzung im Gefängnis. Eine Auslieferung in einen anderen Staat wäre undenkbar. Man kann sich auch die Frage stellen, wie engagiert sich die Leitmedien und Regierung verhalten hätten, wenn ein freier Journalist auf eigene Faust in Land gereist wäre, wo eine Reisewarnung ausgesprochen wurde und nicht dem linksintellektuellen Zeitgeist entsprechend berichtet hätte und grundlos in einem Gefängnis in Israel oder Syrien sitzen würde.

Wahrscheinlich würde man ihm die Bezeichnung als Journalist absprechen und allenfalls sehr verhalten sich dem Fall annehmen. Vielmehr würde man ihn als einen «unvernünftigen Abenteurer» titulieren und ihm jegliche Eigenschaft als Journalisten absprechen. Im Fall Yücel ist man hier Journalist, Satiriker, Reporter und sogar ein «deutscher Patriot», wenn man den amtierenden Außenminister Sigmar Gabriel zitieren mag, der für die Freilassung Yücels sogar die Minsk-Gespräche im Hinblick auf den Bürgerkrieg in der Ukraine sausen ließ, um sich im Newsroom der Zeitung «Die Welt» blicken zu lassen. Natürlich ist es richtig, dass sich die Politik um inhaftierte Journalisten kümmert, aber auch hier die Frage: Würde man sich auch so für einen Journalisten der «Jungen Freiheit» einsetzen, die weniger antideutsche Texte publizieren und vom ehemaligen Arbeitgeber Yücels als «Durch und durch deutsch» tituliert wurden? Nein und hier ein Beispiel wie die taz über den Vorfall schrieb:

Der 26-jährige war seit August 2012 als Berichterstatter für die rechtsradikale Wochenzeitung Junge Freiheit in Syrien tätig. Im Dezember vergangenen Jahres geriet er dort wegen illegaler Einreise in Gefangenschaft. Am Dienstag wurde er von syrischen Behörden der russischen Botschaft in Damaskus übergeben und anschließend über die deutsche Botschaft im Libanon nach Berlin ausgeflogen, so die taz am 06.03.2013.

Es handelt sich bei diesem Text nicht um Satire, sondern um einen Bericht über den freien Journalisten. Über ein großes Engagement des damaligen und bereits verstorbenen Außenministers Guido Westerwelle (FDP) war auch nichts zu lesen. Aber anscheinend waren auch hier die russischen Diplomaten engagierter als die Deutschen. Die «Junge Freiheit» wird wohl auch nicht unbedingt wohlwollend über Yücel berichten, wie es die taz beispielsweise macht, aber dennoch ist hier der Ton auch neutraler und diplomatischer, wenngleich beide Zeitungen unterschiedliche Lager vertreten, weswegen die Gegenüberstellung hier auch gewählt wurde.

Lange Rede, kurzer Sinn. Auch wenn die AfD mit ihrem Antrag zum Scheitern verurteilt war und eine solche Missbilligung durch den deutschen Bundestag einen großen Aufschrei über Pressefreiheit ausgelöst hätte, so lässt sich sagen, dass Pressefreiheit in Deutschland wohl dort aufhört, wo die einseitige Berichterstattung der Leitmedien anfängt. Wir wissen auch, dass alle keine Ahnung vom Journalismus haben, die sich- um es neutral zu formulieren — über befremdliche Texte gegen Deutsche aufregen. Und wir wissen auch, dass die Anklagen anderer Staaten immer dann «haltlos und unberechtigt» sind, wenn es den Reporter, Satiriker oder Journalisten meinetwegen von der Seite des Mainstreams betrifft. Was Satire und Journalismus ist, dann so deklariert, wie es gerade passt. Und sowieso kann man den Eindruck gewinnen, dass alle Stimmen, die sich über Yücel kritisch äußern, allesamt «rechtradikal» sind und die «Demokratie, den Rechtsstaat und die Pressefreiheit» gefährden.