Die Orte ändern sich, die Propaganda bleibt die gleiche: 2016 war es Aleppo, nun ist es Ost-Ghuta, das der «syrische Machthaber» brutal zerstört. Was aber vor und vor allem nach der heißen Phase des Krieges passiert, interessiert westliche Einpeitscher kaum.

von Wladislaw Sankin 

Anscheinend setzen die westlichen Politiker in ihrer Syrien-Politik vor allem auf das kurze Gedächtnis der Bevölkerung — vor allem jener, die nur etablierte Westmedien konsumiert. Es zählen nur Momentaufnahmen, die wie ein Blitz aus heiterem Himmel auf die syrische Regierung eindonnern: Ost-Ghuta wird von der russischen wie syrischen Luftwaffe «ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung» bombardiert, ertönt erneut lauthals der Vorwurf. Dieser zwingt den russischen Präsidenten unter dadurch erzeugtem «internationalem Druck» zur Anordnung humanitärer Pausen, die die islamischen Extremisten zur Reorganisation nutzen und dazu, Zivilisten an der Flucht aus der Kampfzone zu hindern. Im Jahr 2016 war es Ost-Aleppo, das die gleichen Protagonisten brutal zerstört haben sollen.

Vergleichbare Kampfhandlungen der uneingeladen im syrischen Staatsgebiet aufhältigen US-Koalition in Rakka waren hingegen «erzwungene Luftschläge gegen das IS-Terroristennetz» mit unvermeidbaren Kollateralschäden. Diese — zusammen mit den zivilen Opfern in Irak — beziffert sogar das US-Verteidigungsministerium derzeit auf 841, mit steigender Tendenz. Diese Doppelzüngigkeit ist von RT mittels Vorortberichterstattung mehrfach belegt worden.

Im Krieg setzt man Waffen ein und legt militärische Taktiken an den Tag, die man sehr oft zumindest als zynisch bezeichnen kann. Auch die syrische Regierung ist kein Waisenknabe und nimmt den Tod von Zivilisten bei ihren Bombardements vielfach billigend in Kauf. Doch dass dies mit böser Absicht geschieht — und das ist der Vorwurf, den die Westmedien unter Berufung auf radikale islamische Terroristen regelmäßig erheben — ist nicht zutreffend.

Terrorbanden suchen nicht den Frieden, sondern den «Märtyrertod»

Es bleibt im Zusammenhang mit der Berichterstattung zu Ost-Ghuta gerne ausgeblendet, das sich bereits Mitte September 2017 Russland, der Iran und die Türkei auf die Einrichtung von vier Deeskalationszonen in Syrien geeinigt haben. Eine davon war Ost-Ghuta, was Verhandlungen zwischen der Assad-Regierung und den dort residierenden Islamisten zur Folge hatte.

Diesen hat man einen freien Abzug angeboten, sogar ohne dass sie ihre Waffen hätten niederlegen müssen. Ein vergleichbares Verfahren gab es bereits Ende 2016 in Ost-Aleppo und dieses wurde schließlich angenommen. In Erinnerung sind lange Buskonvois, die damals die Kampfzone verließen. Für Ost-Ghuta gibt es zudem seit Oktober humanitäre Korridore, die Hilfsorganisationen nutzen konnten, um Versorgungsgüter zu den eingeschlossenen Bewohnern zu bringen.

Dennoch zogen sich die Sondierungen über Monate hin und blieben ohne Ergebnis. Stattdessen wurden Innenstadtbezirke von Damaskus immer wieder aus Ost-Ghuta mit Raketen und Granaten beschossen. Kein Angebot für eine Feuerpause, sondern eher das Vorspiel für eine Schlacht, die sich irgendwann nicht mehr aufhalten ließ, weil niemand sie aufhalten wollte.

Kein Wort über den Wiederaufbau in Aleppo

Auch das Schicksal Aleppos nach dem Einstellen der Kampfhandlungen — sprich: nach der Befreiung von der islamistischen Willkürherrschaft — scheint die vermeintlich so stark um Menschenleben besorgten westlichen Mahner nicht zu interessieren. Es würde sich jedoch lohnen, einen Blick darauf zu werfen, denn dann würde man sehen, wie viele Menschenleben ausgerechnet die ach so böse syrische Armee gerettet hat. Der Gouverneur der Stadt Aleppo, Hussein Diab, teilte am Montag der Agentur Sputnik mit, dass in Aleppo und Umgebung von mehr als 1.500 beschädigten Häusern bereits 550 wieder renoviert wurden. 105 Schulen für 90.000 Kinder seien wieder geöffnet, auch die Tourismus-Infrastruktur erholt sich langsam. Insgesamt seien seit Ende 2016 bereits 200.000 Menschen nach Aleppo zurückgekehrt, so Diab.

Bei aller Skepsis gegenüber offiziellen Statistiken: Der Aufbautrend in Aleppo ist unverkennbar und der Westen erzählt diesen Teil der Geschichte nicht. Das gilt auch für Rakka, obwohl diese Stadt von der US-Koalition bereits im Herbst 2017 befreit wurde. Hier liegt aber das Problem darin, dass die Lage in Rakka aus humanitärer Sicht immer noch katastrophal ist. Gestern blockierten die USA und ihre Verbündeten die russische Initiative, eine UN-Kommission zur Einschätzung der humanitären Lage in der ehemaligen IS-Hochburg zu installieren.

Diese wäre aus der Sicht des russischen Außenministeriums bitter nötig gewesen, denn in der Stadt herrsche aufgrund der vielen verwesenden Leichen eine angespannte epidemiologische Lage, schreibt RIA Nowosti. Diese seien noch nicht geborgen, weil die Aufräumungsarbeiten in der teils zerstörten Stadt noch nicht begonnen hätten.

Laut unseren Daten liegen immer noch Leichen auf den Straßen, keiner kümmert sich um sie. Die epidemiologische Lage ist sehr angespannt, es gibt kein Wasser, keine Kanalisation. Wir haben angeboten, dass die UN und das Internationale Rote Kreuz schnellstmöglich eine Mission dorthin entsenden, um die Lage einzuschätzen», sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am heutigen Dienstag.

Merkel & Co. glauben weiterhin ihre eigene Propaganda

Die USA wollen jedoch die russische Initiative nicht unterstützen, weil die US-geführte Koalition die UN-Vorgaben für eine friedliche Regulierung in Syrien auch ohne «russische Parallelbemühungen» unterstütze.

So bleiben im Nebel der sich stetig wiederholenden Medien-Kampagnen gegen eine Regierung, die im Zustand eines von außen aufgezwungenen Krieges agieren muss, kaum noch die wahren Zustände am wundesten Punkt des Nahen Ostens erkennbar. Die Töne sind zwar etwas leiser geworden und es werden bislang keine Proteste vor den russischen Botschaft in Berlin oder London angemeldet. Aber sollte ein Wunder geschehen und der Krieg in Syrien in allen seinen Teilen komplett zu Ende gehen: Ein Licht im Tunnel des westlichen Narratives zu diesem Krieg würde man in westlichen Medien selbst dann kaum erblicken können.

Denn solange von obersten Stellen wie etwa von der Kanzlerin Merkel vor wenigen Tagen immer noch zu hören ist, bei diesem Krieg ginge es um einen «Feldzug gegen die eigene Bevölkerung» vonseiten des «Assad-Regimes» — und Gleiches nicht etwa für vergleichbare Handlungen der Regierung in Irak in Mossul oder der Ukraine im Donbass gilt -, gibt es darauf wenig Hoffnung.

Quelle: RT

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