Ich bin ungern bereit, mehr Aufmerksamkeit auf die Art von Idiotie zu lenken, die heutzutage als sachkundiger Kommentar von Akademikern und Mainstream-Journalisten gilt. Kürzlich habe ich Professor Richard Carver für seine Argumente gegen BDS, die ihm ein Nichtgenügend für Logik in jeder High School-Prüfung eingebracht hätten, scharf kritisiert.

Jonathan Cook auf antikrieg.com

Jetzt müssen wir Brian Whitaker, den ehemaligen Redakteur des Guardian im Mittleren Osten, ertragen, der alle Tricks des Irreführungs- und Kreislogik-Spielbuchs einsetzt, um diejenigen, die Gedankenverbrechen an Syrien begehen, zu diskreditieren, indem er Fragen aufwirft, sowohl darüber, was dort wirklich geschieht, als auch darüber, ob wir dem Konsens der Unternehmensmedien vertrauen können, die die Trommel für den Regime-Wechsel schlagen.

Whitakers Argumente und Annahmen mögen absurd sein, aber leider sind sie wie die von Carver überall im Mainstream zu finden — sie sind durch Wiederholung so alltäglich geworden, dass sie eine Art implizite Glaubwürdigkeit erlangt haben. Also packen wir aus, was Whitaker und seinesgleichen behaupten.

Whitakers jüngster Ausbruch richtet sich gegen die Unverschämtheit einer Handvoll britischer Akademiker, darunter auch Experten für Propagandastudien, welche eine Arbeitsgruppe — die Working Group on Syria, Propaganda and Media — ins Leben gerufen haben, um «eine Quelle zuverlässiger, informierter und zeitnaher Analysen für Journalisten, Öffentlichkeiten und politische Entscheidungsträger» zum Thema Syrien zu schaffen. Zu den Forschern gehören Tim Hayward von der Edinburgh University und Piers Robinson von der Sheffield University.

Was sind also Whitakers Einwände gegen diese Arbeitsgruppe? Gehen wir sie durch, mit meinen Zwischenrufen.

Whitaker: Sie bestreiten fast alle Mainstream-Erzählungen des syrischen Konflikts, insbesondere was den Einsatz chemischer Waffen und die Rolle der Such- und Rettungsorganisation White Helmets betrifft. Sie kritisieren westliche Regierungen, westliche Medien und verschiedene humanitäre Gruppen, zeigen aber wenig Interesse daran, die Rolle Russlands im Konflikt kritisch zu beurteilen oder die umstrittenen Schriften mehrerer Journalisten, die zufällig ihre Ansichten teilen.

Westliche Regierungen und westliche Konzernmedien haben eine gemeinsame Erzählung über Syrien verbreitet. Für Außenstehende war es schwierig, sich zu vergewissern, was vor sich geht, da Syrien seit langem eine geschlossene Gesellschaft ist, eine Tendenz, die sich durch die letzten sieben Jahre eines bösartigen Krieges und die Präsenz brutaler ISIS- und Al-Qaeda-Milizen noch verstärkt hat.

Schon lange vor den gegenwärtigen Kämpfen bekundeten westliche Regierungen und Israel ein starkes Interesse am Sturz der Regierung von Bashar Assad. Tatsächlich datiert ihr Wunsch, Assad loszuwerden, zumindest auf den Beginn des «Kriegs gegen den Terror», den sie nach dem 11. September 2001 begonnen haben, wie ich in meinem Buch Israel and the Clash of Civilisations dokumentiert habe.

Nur sehr wenige Journalisten von Konzernmedien waren in Syrien vor Ort. (Paradoxerweise waren diejenigen, die dort waren, tatsächlich in Gebiete eingebettet, die von Gruppen vom Typ Al-Qaida dominiert werden, die von westlichen Regierungen direkt und über Vermittler am Golf unterstützt werden.) Die meisten dieser Journalisten verlassen sich auf Informationen, die von westlichen Regierungen oder von Gruppen mit starken eigennützigen Interessen an Assads Sturz geliefert werden.

Sollten wir dieser Medienberichterstattung vertrauen, so wie viele von uns die Lügen über den Irak und später Libyen geglaubt haben, die von denselben westlichen Regierungen und Konzernmedien propagiert worden sind? Oder sollten wir diesmal weitaus vorsichtiger sein, zumal diese früheren Regime-Change-Operationen mehr Chaos, Leid und Waffen im gesamten Nahen Osten verbreiteten und eine Migrantenkrise auslösten, die nun die Rechtsextremisten in weiten Teilen Europas stärkt?

Whitaker und seinesgleichen sagen, wir sollten das nicht tun. Oder noch unaufrichtiger, Whitaker sagt, dass die Arbeitsgruppe, anstatt ihre Energien in diese äußerst wichtige Forschung zu investieren, ihre begrenzten Ressourcen auf das Studium der russischen Propaganda über Syrien konzentrieren sollte. Mit anderen Worten, die Forscher sollten die gediegenen Bemühungen von Whitakers Kollegen verdoppeln, indem sie tagtäglich dem russischen Präsidenten Vladimir Putin James-Bond-mäßige Superkräfte zuschreiben.

Hier ist ein Gegenvorschlag: Wie wäre es, wenn wir gut finanzierte westliche Regierungen und Medienkonzerne Putin an jeder Ecke und unter jedem Vorwand in Frage stellen lassen, während wir der Arbeitsgruppe gestatten, zu prüfen, ob es einen großen (größeren?) Splitter im Auge des Westens gibt?

Whitaker: Der besorgniserregende Teil ist jedoch, vor allem im Hinblick auf ihre erklärte Absicht, eine «Forschungsfinanzierung» zu beantragen, ihr Anspruch, sich an einer «rigorosen akademischen Analyse» der Medienberichterstattung über Syrien zu beteiligen.

Ist das wirklich so beunruhigend? Warum sollte man nicht zulassen, dass eine Handvoll Akademiker nach Mitteln sucht, um zu versuchen, die enorm komplizierte Konstellation von Hilfe, Geld und Waffen zu entwirren, die westliche Regierungen in einen Krieg gepumpt haben, der Syrien auseinanderreißt? Warum sollte die Arbeitsgruppe nicht ermutigt werden, die weitgehend verdeckten Verbindungen zwischen westlichen Sicherheitsdiensten und Gruppen wie dem «Such- und Rettungsdienst» der White Helmets deutlicher zu erkennen? Man könnte meinen, dass vermeintlich kritische Journalisten alles dafür tun würden, um Informationen über westliches Engagement und Absprachen in Syrien ausfindig zu machen.

Whitaker: Aber während die Mitglieder der Gruppe den Mainstream-Medien im Westen generell sehr kritisch gegenüberstehen, entzieht sich eine Handvoll westlicher Journalisten — allesamt umstrittene Persönlichkeiten — einer ähnlichen Prüfung. Stattdessen wird ihre Arbeit gelobt und empfohlen.

Mehr von Whitakers kreisförmiger Logik.

Natürlich sind die wenigen unabhängigen Journalisten (unabhängig von Unternehmensinteressen), die in Syrien vor Ort sind, «kontrovers» — sie werden von westlichen Regierungen und Unternehmensjournalisten als «kontrovers» bezeichnet, gerade weil sie die einvernehmliche Erzählung eben dieser Regierungen und Journalisten in Frage stellen. Mist!

Zudem werden diese «umstrittenen» Journalisten nicht «gelobt». Vielmehr werden ihre Gegenerzählungen von aufgeschlossenen Menschen wie denjenigen in der Arbeitsgruppe hervorgehoben. Ohne Bemühungen, die Aufmerksamkeit auf die Arbeit dieser unabhängigen Journalisten zu lenken, würde deren Berichterstattung höchstwahrscheinlich spurlos verschwinden — genau das Ergebnis, das Whitaker und seine Freunde sehr bevorzugen würden, wie man spürt.

Es sind nicht die kritischen Denker, welche fordern, dass zum Thema Syrien nur eine Seite der Erzählung gehört wird, sondern westliche Regierungen und vermeintlich «liberale» Journalisten wie Whitaker und George Monbiot vom Guardian. Sie denken, dass sie die Wahrheit durch … die korporativen Medien erahnen können, welche die Erzählungen fördern, die entweder in westlichen Hauptstädten fabriziert oder aus Verbindungen zu Gruppen wie den Weißen Helmen abgeleitet wurden, die sich in von Dschihadisten kontrollierten Gebieten befinden.

Warum sollte die Arbeitsgruppe ihre begrenzten Energien verschwenden, um diese unabhängigen Journalisten zu untersuchen, wenn diese von Journalisten wie Whitaker und von großen Zeitungen wie dem Guardian ständig unter die Lupe genommen und verunglimpft werden?

Auf jeden Fall werden die Behauptungen und Erkenntnisse dieser unabhängigen Journalisten diskreditiert, wenn die offiziellen westlichen Erzählungen der Kontrolle der Arbeitsgruppe standhalten. Diese beiden einander widersprechenden Erzählungen können schließlich nicht gleichermaßen wahr sein.

Whitaker: Die beiden Favoriten sind aber Eva Bartlett und Vanessa Beeley — unabhängige Journalistinnen, die regelmäßig Beiträge für den russischen Propagandakanal RT erstellen. Bartlett und Beeley haben auch eine begeisterte Fangemeinde auf «alternativen» und auf Webseiten, auf denen Verschwörungstheorien verbreitet werden, obwohl sie andernorts weithin als Propagandisten abgetan werden.

«Weithin abgelehnt» von … ja, das ist richtig, Whitaker’s Freunden in den Konzernmedien! Mehr zirkuläre Logik. Unabhängige Journalistinnen wie Bartlett und Beeley sind auf RT, weil Whitaker’s Kumpel in britischen Propaganda-Outlets — wie der Guardian und die BBC — ihnen kein Gehör geben und auch nie gegeben haben. Der Guardian verweigerte ihnen sogar das Recht auf Gegendarstellung, nachdem seine in den USA ansässige Technologieautorin Olivia Solon (deren Lebenslauf nicht erwähnt, dass sie jemals in Syrien war) einen prominenten Platz in der Zeitung erhielt, um sie als Kreml-Propagandisten anzupatzen, ohne ihre Argumente oder Beweise anzuführen.

Whitaker: Die Aktivitäten von [Bartlett und Beeley] sind Teil des gesamten Medienkampfes um Syrien, und jede «rigorose akademische Analyse» der Berichterstattung sollte ihre Arbeit genauer unter die Lupe nehmen, anstatt sie unhinterfragt zu unterstützen.

Es gibt keinen «Medienkampf». Das ist so, wie wenn man von einem «Krieg» zwischen Israel, einer der mächtigsten Armeen der Welt, und der leicht bewaffneten palästinensischen Widerstandsgruppe Hamas spricht — was die westlichen Unternehmensmedien natürlich die ganze Zeit machen.

Stattdessen gibt es eine unangefochtene westliche Medienerzählung über Syrien, eine für mehr Krieg und mehr Leid, bis ein scheinbar unrealisierbares Ziel, nämlich Assad zu stürzen, erreicht ist. Auf der anderen Seite stehen kleine Oasen der Skepsis und des kritischen Denkens, meist am Rande der Social Media, die Whitaker auslöschen will.

Die Arbeitsgruppe hat nicht die Aufgabe, ihm bei dieser Aufgabe zu helfen. Es soll geprüft werden, ob oder wie viel von der offiziellen westlichen Erzählung in der Wahrheit verwurzelt ist.

Um auf seine «Bedenken» bezüglich RT zurückzukommen, kommt Whitaker zu dem Schluss, dass dessen Hauptziel darin besteht:

… rationale, aber unwillkommene Erklärungen in Frage zu stellen, indem man mehrere alternative «Theorien» vorantreibt — Ideen, die auf nichts anderem beruhen als auf Spekulationen oder wohlmeinenden Artikeln auf obskuren Webseiten.

Aber es sind eben nicht solche «wohlmeinenden» Artikel, an denen die Glaubwürdigkeit eines offiziellen westlichen Konsenses scheitert. Es ist der durchschaubare autoritäre Instinkt einer politischen und medialen Elite — und vermeintlich «liberaler» Journalisten wie Whitaker und Monbiot — die darauf aus sind, jede Debatte, jeden Zweifel, jeden Gegenbeweis zum Schweigen zu bringen.

Weil er im Grunde genommen ein autoritärer Höfling ist, möchte Whitaker, dass wir glauben, dass nur Verrückte und Verschwörungstheoretiker diese Gegenerzählungen fördern. Er hätte lieber, dass die Leser in der Stille, die er zu erzwingen hofft, niemals den Experten ausgesetzt werden, die Zweifel an der offiziellen westlichen Erzählung über Syrien aufkommen lassen.

Das heißt, dasselbe Schweigen, das vor 15 Jahren verhängt wurde, als seine frühere Zeitung The Guardian und die übrigen westlichen Konzernmedien die Waffenexperten der Vereinten Nationen wie Scott Ritter und Hans Blix ignorierten und nicht ernst nahmen. Deren Warnungen, dass die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Irak wirklich nicht existierten und als Vorwand für einen katastrophalen Kolonialkrieg benutzt wurden, blieben ungehört.

Lassen wir nicht zu, dass Whitaker und gleichgesinnte Bully-boys ein weiteres Mal solche kritischen Stimmen zum Schweigen bringen.