Deutschland bittet die USA darum, aus dem Sanktionszirkus austreten zu dürfen. Den Anstoß dafür haben Wirtschaftsvertreter gegeben. Schließlich wissen sie wie kein anderer, was der Verzicht auf die Zusammenarbeit mit Russland kostet. Washingtons Antwort bleibt noch aus. Doch gütlich werden die USA Deutschland sicherlich nicht ziehen lassen.

von Maria Baljabina

Die Verluste aus den Russland-Sanktionen wiegen schwerer als Personalwechsel in den Botschaften oder filmreife Erklärungen von Rednertribünen aus. Es geht um sehr viel Geld: Den Schaden für Deutschland nur durch neue Sanktionen veranschlagen deutsche Firmenchefs auf Hunderte Millionen Euro.

Es ist nicht anzunehmen, dass Donald Trump, der den Großteil seines Lebens kein Politiker, sondern eben Geschäftsmann war, nicht weiß, worum es geht. Höchstwahrscheinlich ist es ihm auf den Euro genau klar, welchen Schaden die deutsche Wirtschaft nehmen kann. Deswegen rührt er das Ganze weiter an.

Es ist auch schwer vorzustellen, dass der US-Präsident nach einem Gespräch mit Angela Merkel einfach abwinkt und sagt: „Ach ja, okay. Ihr könnt aus den Sanktionen raus.“ Zumal ein Sanktionen-Rabatt für Deutschland die ganze Idee der Konsolidierung gegen Russland zunichtemachen würde. Die Italiener beschweren sich auch seit Langem, unter den Russland-Sanktionen zu leiden. Viele andere EU-Mitglieder würden sicherlich auch erleichtert aufatmen, würden diese Fesseln zumindest etwas gelockert.

Kampflos werden die USA Deutschland aus den Sanktionen nicht entlassen. Es kann für Berlin durchaus um Kopf und Kragen gehen. Jedenfalls entscheidet die deutsche Initiative, welchen weiteren Weg die Sanktionspolitik einschlägt.

Die Einführung neuer Sanktionen hat Trump vorerst zwar ausgesetzt. Doch hat er dabei auch angekündigt, weitere Einschränkungen werde es unverzüglich geben, sobald Russland sie verdiene. Angesichts dessen, dass Russland seit einiger Zeit für absolut alles verantwortlich gemacht wird, ist nicht daran zu zweifeln, dass es neue Sanktionen geben wird.

Moskau bleibt nur, den inneren Kampf des um die Russland-Sanktionen vereinten Westens zu beobachten. Und China wehmütige Blicke zuzuwerfen, das sich ebenfalls immer gegen einseitige Sanktionen aussprach. Was auch immer die Politik im Westen entscheidet: Russland hat zuverlässige Partner, und die Beziehung zu ihnen wird nicht von äußeren Faktoren bestimmt.

 

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