In diesem Sommer sind in Syrien einige umfassende Militäroperationen geplant, die gleich mehrere „gordische Knoten“ zerschlagen sollen. Die bisherigen Erfolge der Regierungstruppen von Baschar al-Assad geben einen gewissen Optimismus, aber sie müssen dabei große Verluste beklagen.

Bis dato wurden Damaskus samt Vororten und die Autobahn Damaskus-Homs-Hama vollständig von den IS-Terroristen befreit. Auch in anderen Regionen des Landes wurden viele „Enklaven“ der Dschihadisten vernichtet.

Aber der Krieg geht trotzdem weiter.

Die Türkei hat schon allen involvierten Ländern einen „heißen Sommer“ versprochen und die Kurden quasi informiert, dass ihre Truppen alle Städte im Grenzgebiet unter ihre Kontrolle nehmen könnten, falls die kurdischen Selbstverteidigungskräfte die Gefechte nicht stoppen sollten. Angesichts dessen haben manche einflussreiche kurdische Feldkommandeure bereits Verhandlungen mit Assad akzeptiert und reden nicht mehr von der „Republik Rojava“ und anderen Versuchen zum Kampf  um einen autonomen Status.

Vom so genannten „Islamischen Staat“ sind inzwischen nur mehrere kleinere „Enklaven“ geblieben, deren Vernichtung im Grunde eine Frage der Zeit ist. Aber sie liegen in verschiedenen Regionen Syriens, und die Kämpfer tauchen mal hier mal dort auf, und die Regierungskräfte sind nicht stark genug, um diese Banden zu vernichten. Dieser Kampf könnte im Grunde noch jahrelang dauern. Davon zeugen jedenfalls die Beispiele verschiedener Länder und vor allem Ägyptens. Seine Armee ist zwar viel stärker als die IS-Überreste in der Sinai-Wüste, kann sie aber nicht in den Griff bekommen.

Dafür ist die Situation um Dara’a so gut wie entschieden. Die Verlegung der Regierungstruppen in diesen Raum wurde noch Ende Mai beendet, und es bleiben nur noch einzelne politische und diplomatische Details, die noch geregelt werden müssen. Im Sommer lässt sich also erwarten, dass die Assad-Armee ihre Einsätze „ruhig“ fortsetzen und die gesamte Provinz bis zu den Golanhöhen unter ihre Kontrolle nehmen wird.

Besonders schwierig bleibt die Lage in der Provinz Idlib, wo sich sehr viele Kämpfer aus verschiedenen Gruppierungen aufhalten, die unter anderem gegeneinander kämpfen. Theoretisch könnte die Türkei die Lage in den Griff bekommen, aber sie hat nicht genug eigene Kräfte und schürt deswegen eine Art „Stellvertreterkrieg“, indem sie die Gruppierung Ahar asch-Scham gegen die al-Nusra-Front kämpfen lässt. Auch diese Auseinandersetzungen könnten sich noch viele Jahre hinziehen.

Höchstwahrscheinlich werden um Idlib auch weiterhin „politische Spiele“ geführt werden. Aber falls die Situation in Dar’a und auf den Golanhöhen zu Gunsten Damaskus‘ und unter Berücksichtigung der Interessen Israels geregelt werden sollte, wird man offenbar versuchen, auf diese Erfahrungen auch in Idlib zurückzugreifen. Aber solche Verhandlungen mit Ankara dürften viel schwieriger werden als die mit Tel Aviv, zumal in der Türkei in einem Jahr die gleichzeitige Parlaments- und Präsidentschaftswahl stattfindet, deren Ergebnisse zwar im Grunde klar sind, aber das Kräfteverhältnis könnte sich trotzdem verändern.

Das größte Problem in Idlib ist und bleibt die Region um at-Tanf. Die Amerikaner zeigen sich stur und wollen nicht die Gruppierungen der Dschihadisten auflösen, die sich quasi um den dortigen US-Stützpunkt versammelt haben. Aber den Amerikanern fehlen offenbar die Kräfte in Idlib, denn sie haben in den letzten Wochen einen Teil ihrer Truppen aus at-Tanf nach al-Hasaka und asch-Schaddadi verlegt. Aber in at-Tanf wird sie sowieso niemand angreifen, und Washington spekuliert mit ihrem Stützpunkt und dem Thema Kurden bei den Verhandlungen mit Russland und der Türkei.

Die Kurden sind ihrerseits quasi in eine Falle geraten: Erst vor einem Jahr hegten sie Pläne zur Bildung ihres eigenen Staates und hofften dabei auf Washingtons Unterstützung. Jetzt aber haben sie offenbar keine Wahl: Damaskus wird unvermeidlich immer neue Gebiete unter seine Kontrolle nehmen. Der kurdische Partisanenkrieg gegen die Türkei könnte ewig dauern, aber nach den Wahlen in einem Jahr wird Ankara mit Sicherheit seine Ansprüche auf ein noch größeres Territorium mit kurdischer Bevölkerung äußern, unter anderem auch auf einige Gebiete im Irak.

Die Amerikaner neigen immer mehr dazu, sogar Manbidsch zu verlassen, bleiben aber noch in al-Hasaka. Den Kurden sagen sie dabei, sie hätten „keine andere Wahl“, was die kurdischen Gruppierungen automatisch zu Kontakten mit Damaskus zwingt, das ihnen wenigstens minimale Garantien einer Autonomie gibt. Aber bald wird es auch sie nicht mehr geben, falls die Kurden nicht aufhören, sich ständig über ihr schweres Schicksal zu beklagen.

Damit wird der Krieg bis Ende dieses Jahres noch nicht zu Ende gehen. Allerdings zeichnen sich die „Umrisse“ des künftigen Friedens ab. Dass sich am Syrien-Konflikt sehr viele Seiten beteiligen, von denen manche zu Provokationen und viel zu emotionalen Schritten neigen, macht die Sache natürlich nicht gerade leichter. Aber generell lässt sich schon 2019 die fast völlige Einstellung der intensiven Kriegshandlungen auf dem gesamten Territorium des Landes erwarten.

Quelle

Übersetzung von Sputnik