Vor wenigen Tagen bot Außenminister Maas eine eigenwillige Interpretation deutscher Zeitgeschichte. Ihm zufolge waren es «die Amerikaner», die die deutsche Einheit ermöglichten. Sein Sprecher verwies unter anderem auf seinen verjährten «Geschichtsunterricht».

Zur Eröffnung des Deutschlandjahrs in den USA behauptete der deutsche Außenminister Heiko Maas am Tag der Deutschen Einheit in Washington: «Es waren die Amerikaner, die die deutsche Einheit ermöglicht haben. Das werden wir nie vergessen.» Nicht nur in den Kommentaren unter dem Tweet des obersten deutschen Diplomaten sorgte die revisionistische Interpretation der Ermöglichung der deutschen Einheit für Häme und Spott.

Es ist unbestreitbar, dass die US-Regierung der Wiedervereinigung zwar wohlwollend gegenüberstand, aber es vor allem die durch die sowjetische Regierung unter Gorbatschow geschaffenen politischen und sozialen Rahmenbedingungen waren, die die deutsche Wiedervereinigung ermöglichten.

Ohne Glasnost und Perestroika wäre die «Wende» nicht möglich gewesen. Erst diese legte die Grundlage für den Zwei-plus-Vier-Vertrag, in dem die Sowjetführung unter anderem zusagte, ihre Truppen schrittweise aus der DDR abzuziehen. Der Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland, so der offizielle Name des Vertragswerks, wurde am 12. September 1990 in Moskau unterzeichnet und trat am 15. März 1991 in Kraft.

Im Jahr 1994 war der Prozess des Abzugs der Sowjettruppen abgeschlossen. Zwar wurde er dafür in den folgenden Jahrzehnten vielfach kritisiert, doch war es Gorbatschow, der ebenfalls deutlich machte, dass er einer NATO-Mitgliedschaft Deutschlands nicht im Wege stehen würde. Es war Wolfgang Schäuble, der im Jahr 2009 erklärte: Aber im Ernst: Ich habe immer auf die Wiedervereinigung gehofft, war aber zugleich überzeugt, dass diese Frage in Moskau entschieden wird – bis Michail Gorbatschow 1989 sagte, der Schlüssel zur Einheit liege bei den Deutschen.

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