Die Türkei unter Präsident Erdogan versucht, sich auch finanzpolitisch aus dem Würgegriff der USA zu befreien. Jetzt kündigte Erdogan an, die Türkei sei nicht mehr gewillt, beim Internationalen Währungsfonds (IWF) weitere Kredite aufzunehmen. 

Wörtlich erklärte Erdogan vor Aktivisten seiner AKP-Partei in der Stadt Kızılcahamam: „Wir haben das Kapitel der IWF-Kredite zugeschlagen, um es nie wieder aufzuschlagen.“

Erdogans Ankündigung wird von Beobachtern zwar als Reaktion auf das sich rasant verschlechternde Klima zwischen der Türkei und den USA interpretiert – auch die Türkei ist Opfer aktueller US-Sanktionen und handelspolitischer Maßnahmen, die sich schädlich auf die türkische Wirtschaft auswirken. So genehmigte US-Präsident Trump erst kürzlich die Erhöhung der Zölle auf Aluminium und Stahl aus der Türkei um 20 bzw. 50 Prozent. Dies führte zu einem Sturz der türkischen Lira auf ein historisches Tief. Ankara erhöhte im Gegenzug die Zölle auf 22 US-amerikanische Warenarten (darunter Tabak, Alkohol, Kraftwagen, Kosmetika, Reis und Obst) im Gesamtwert von 593 Millionen Dollar.

Darüber hinaus ist Erdogans Ankündigung, keine weiteren IWF-Kredite in Anspruch zu nehmen, aber auch der konsequente Versuch Ankaras, sich aus der Abhängigkeit von internationalen Finanzorganisationen wie dem IWF unabhängig zu machen. Dessen Kredite werden im allgemeinen nur gegen die Zusicherung tiefgreifender „Reformen“ im Empfängerland vergeben, was dem IWF erheblichen Einfluß auf die Binnenstruktur der Türkei – etwa die Sozialsysteme oder die Infrastruktur – einräumt. Die Erdogan-Regierung will sich aus dieser Einflußnahme lösen.

Text: Zuerst!

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