Als Reaktion auf den Abschuss eines russischen Aufklärungsflugzeugs vom Typ IL-20 am 17. September durch israelische Kampfjets kündigte die russische Regierung die Lieferung von S-300-Flugabwehrsystemen an die syrischen Streitkräfte an. Wie der russische Außenminister Lawrow erklärte, sei die Lieferung mittlerweile in Gang – nach Berichten lokaler Beobachter ist sie inzwischen abgeschlossen. Ein weiteres interessantes Detail der Lieferung griff das deutsche Nachrichtenmagazin Zuerst! auf.

Was für Waffen hat also Russland Syrien überlassen? Moskaus Vertreter sprachen in allen Interviews von einem Fla-Raketensystem, also von einem S-300-Regiment. Später berichtete Minister Schoigu über die Lieferung von 49 Kampfmaschinen. Diese Zahl unterscheidet sich etwas von der Standardzahl der einem Regiment angehörenden technischen Einheiten. Nicht ganz klar ist auch, warum Syrien nur vier Startanlagen überlassen wurden. Denn faktisch geht es dabei um nur ein Regiment (einen Fla-Raketenkomplex).

Moskaus Antwort auf den Abschuß der russischen Aufklärungsmaschine: Syrien erhält hocheffiziente Radar-Störsysteme

Bei PMU-2 handelt es sich um die Exportversion des Systems S-300PM2. Es gilt, dass es in Russland vor der Umrüstung zu S-400-Raketen nur ein Regiment gab, das mit S-300PM2-Raketen bestückt war. Alle Kampfmaschinen dieses Truppenteils wurden von null an hergestellt. Dieses Regiment ist im Gebiet Moskau stationiert und wurde noch nicht mit S-400-Raketen ausgestattet. (Solche Pläne gibt es allerdings.)

Weniger bekannt ist, daß das russische Verteidigungsministerium den syrischen Partner nicht nur mit dem S-300-System ausstattet, sondern offenbar auch mit Systemen zur fortgeschrittenen elektronischen Kampfführung, eine Hybridwaffe also.

Nach Auskunft örtlicher Beobachter landeten in den letzten Tagen mindestens acht russische Transportmaschinen vom Typ IL-76 MD auf dem russischen Militärflugplatz von Latakia in Syrien, eskortiert von acht Su-30-Kampfjets und Su-35 S. Bei der gelieferten Ausrüstung handelt es sich offenbar um das Radar-Störsystem Krasukha-4, das mit dem speziellen Störsender-System R-330ZH ausgestattet ist.

Das Krasukha-4-System ist vor allem für die Störung von gegnerischem Boden- oder Luftraumüberwachungsradar ausgelegt und könnte damit sowohl den westlichen AWACS-Flugzeugen wie auch den bemannten und unbemannten Aufklärungsflugzeugen der amerikanischen, britischen und israelischen Luftwaffe gefährlich werden. Darüber hinaus ist Krasukha-4 in der Lage, die Kommunikation der US-Satelliten vom Typ Lacrosse oder Onyx auf niedriger Umlaufbahn zu stören. Auch das Radar gegnerischer Kampfjets sowie ihre Kommunikation kann blockiert werden, ebenso das Radar von Raketen, die von ihnen abgefeuert werden.

Die effektive Wirkungsdistanz (ECR – Electronic Combat Range) liegt bei 150 bis 300 Kilometern, was zumindest über einer akut gefährdeten Zone von bis zu 600 Kilometern Durchmesser einen undurchdringlichen Vorhang entstehen lassen würde.

Experten weisen allerdings darauf hin, daß die US-Amerikaner, Briten, Franzosen und Israelis über Marschflugkörper verfügen, die die syrische Mittelmeerküste umfliegen können und von Jordanien, Israel, Irak und der Türkei aus tief in syrisches Gebiet eindringen können. Zum Zweck einer möglichst undurchdringlichen Verteidigung wäre daher eine größere Anzahl der hocheffizienten Radar-Störeinheiten erforderlich.

Tatsache ist allerdings, dass seit Beginn der russischen Lieferungen keine weiteren israelischen Luftangriffe mehr über syrischem Gebiet erfolgt sind.

Foto: RIA Novosti /Sputnik/ Zuerst!

Mit Textmaterial von Zuerst!