Auch der französische Präsident Macron ist jetzt ins geschichtspolitische Fettnäpchen getappt. Er hat – mit Blick auf die Geschichte völlig korrekt – den früheren französischen Marschall Philipp Pétain als „großen Soldaten“ des Ersten Weltkrieges bezeichnet.

Macron verteidigte eine Ehrung für Pétain und sieben weitere Kommandeure des Ersten Weltkrieges im Pariser Invalidendom als „legitim“. Die Zeremonie findet im Rahmen der Gedenkfeiern zum Waffenstillstand vor hundert Jahren statt. „Ich erkenne die Rolle an, die unsere Marschälle und unsere Armee gespielt haben“, erklärte Macron. „Wir verdanken ihr den Sieg.“

Für die tonangebenden politisch korrekten Kreise zählt allerdings nicht, daß Pétain im Ersten Weltkrieg maßgeblich dazu beitrug, eine drohende Niederlage Frankreichs zu verhindern, indem er 1916 die erfolgreiche Verteidigung von Verdun leitete.

Für sie wiegt schwerer, daß der Marschall nach 1940 als Staatsoberhaupt die Regierungsverantwortung für das besiegte Frankreich übernahm und in dieser Funktion mit den siegreichen Deutschen verhandelte. Pétain gilt notorischen Vergangenheitsbewältigern deshalb als „Kollaborateur“.

Der jüdische Dachverband Crif zeigte sich „schockiert“ über Macrons Äußerungen. Pétain wird Mitverantwortung an der Deportation französischer Juden nach 1940 angelastet. Politiker verschiedener Parteien gaben sich ebenfalls demonstrativ „empört“.

Macron selbst hatte mit Blick auf das Vichy-Regime gesagt: „Ich verschleiere kein Kapitel der Geschichte.“ Die politische und menschliche Wirklichkeit sei aber „manchmal komplexer als man glauben mag“.

Auch im nachhinein verteidigt er seine Äußerung. Am Donnerstag erklärte Macron im nordfranzösischen Maubeuge, die historische Wahrheit müsse anerkannt werden; Petain habe „zwei Gesichter“ gehabt.

Der greise Marschall war 1945 wegen Hochverrats zunächst zum Tode verurteilt worden, dies wurde jedoch in eine lebenslange Gefängnisstrafe umgewandelt. Er starb 1951 mit 95 Jahren in Haft.

Zuerst!