Der erfolglosen Kandidatin beim US-Präsidentschaftswahlkampf geht es nicht um Details einer praktischen Politik, sondern um anderes: Sie hat beim Nachdenken über ihre Niederlage gegen Trump, die sie laut eigenem Eingeständnis bis heute «absolut verblüfft», Einsichten gewonnen, die sie ihren politischen Freunden ans Herz legen möchte.

Sie richtet ihre Botschaft an eine linke, liberale Mitte, die sie zum Umdenken bei der Migrationspolitik bewegen will. Der Kern ihrer Einsicht lautet: «Wenn wir uns nicht mit dem Thema Migration befassen, dann wird das Migrationsthema den Staatskörper weiter eintrüben.»

Im Original verwendet sie den Begriff «body politic», eine Metapher, die das Staatsgebilde einem Körper gleichsetzt. Reflexionen und Auseinandersetzungen über diese Analogie haben eine lange Traditionslinie, die bis ins Mittelalter reicht. In Online-Wörterbüchern wird «body politic» kurz mit «Staatskörper» übersetzt.

Man liegt wahrscheinlich nicht völlig verkehrt, wenn man Clintons Ausspruch so versteht, dass das Thema Migration — und vor allem, wie es behandelt wird — nicht nur die Öffentlichkeit erfasst hat, sondern auch in Denken und Praxis staatlicher und staatstragender «Organe» und Institutionen, Medien, Parteien, Justiz, Behörden, Schulen, Universitäten eingegangen ist.

Die Wahrnehmung gehört wahrscheinlich zum «tiefen Nachdenken», das der Guardian bei den drei Politikern diagnostiziert. Aus der Erfahrung der Niederlage entsteht die Einsicht, dass man Reichweite und Wirkung des Themas Migration unterschätzt hat und das Feld den rechtsausgerichteten Populisten überlassen hat.

 

 

Quelle: Telepolis

Foto: Science

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