Ex-Umweltminister Jürgen Trittin argumentiert in einem Interview mit Spiegel Online, warum er an dem Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 festhält. Auch erklärt der Politiker der Grünen, warum die Behauptung, Deutschland mache sich dadurch von Russland abhängig, falsch sei. Darüber berichtete Sputnik Deutschland unter Berufung auf das Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Trittin räumte in dem Interview ein, dass Nord Stream 2 eine Wette gegen die europäischen Klimaziele sei.

„Man würde die Leitung nicht brauchen, wenn man die Klimaziele ernst nehmen würde. Tatsächlich aber steigt der Gasverbrauch der EU weiter. Deshalb könnte es sein, dass die Investition in die zehn Milliarden Euro teure Pipeline sich lohnen könnte.“

Das Grundargument der Pipeline-Gegner, man würde sich von den Russen abhängig machen, hält Trittin, heute Außenpolitiker im Bundestag, für falsch. Denn:

„Pipelinegas führt zu einer gegenseitigen Abhängigkeit, weil die Bindung zwischen Produzent und Konsument groß ist.“

Russland ist laut Trittins Einschätzung sogar abhängiger, wenn der Konsument auch andere Quellen habe: „Während Europa recht einfach auf Flüssiggas LNG aus den USA oder Katar wechseln könnte, kann Russland eben nicht so einfach den Abnehmer wechseln.“ Denn dafür müsste eine neue Pipeline nach China gebaut werden, und das dauere.

Trittin erläuterte auch, unter welchen Umständen Deutschland so viel Gas einsparen könnte, wie es aus Russland kauft:

„Würde die Bundesregierung wirklich eine aktive Klimapolitik verfolgen und nicht weiter zuschauen, dass ein Viertel unserer Treibhausgase aus dem Bereich Wohngebäude kommt; würden wir also etwa jedes Jahr drei Prozent des Gebäudebestands auf den heutigen Stand der Technik bringen, dann wären wir auch in der Lage, bis 2030 genau so viel Gas jährlich einzusparen, wie wir aktuell aus Russland importieren. Das sind 40 Prozent des Gasbedarfs. Genau das findet aber nicht statt.“

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