Yves Cochet ist in der bundesdeutschen Öffentlichkeit weithin unbekannt. In Frankreich ist der promovierte Mathematiker und Grünen-Politiker dagegen kein unbeschriebenes Blatt.

Nach 2001 war er kurzzeitig französischer Umweltminister unter dem linken Premierminister Jospin, 2011 rutschte er als Nachrücker ins Europaparlament, gab sein Mandat aber bereits 2014 wieder auf, um Vorsitzender des Institut Momentum zu werden, einer linken Denkfabrik, die sich vor allem der Wachstumskritik und der Abwicklung der Industriegesellschaft verschrieben hat.

In dieser Eigenschaft meldete sich Cochet jetzt im linken Wochenmagazin „L´Obs“ mit einem programmatischen Beitrag zu Wort, in dem er die Europäer rundweg auffordert, weniger Kinder in die Welt zu setzen, „um die ökologischen Kosten“ zu reduzieren, vor allem aber: „um mehr Einwanderer aufnehmen zu können“. Wörtlich: „Im übrigen: Die Beschränkung der Geburten würde es uns erlauben, mehr Migranten aufzunehmen, die an unsere Tür klopfen, und sie besser aufzunehmen.“

Cochet zufolge haben die „reichen Länder“ die Pflicht, „als erste demographisch abzunehmen“. Grund sei der Lebensstil in den westlichen Ländern, der am meisten die Umwelt verschmutzt und Ressourcen verbrauche.

Der Verzicht auf europäische Kinder genügt dem grünen Ideologen aber nicht. Darüber hinaus fordert er in seinem Beitrag auch einen großflächigen Mentalitätswandel und einschlägige Unterstützung durch Medien und Politik. So müsse auch jede Ermunterung, Kinder zu zeugen, abgeschafft werden. Die Politik müsse „auf den Kopf gestellt“ werden. Das eingesparte Geld solle Familien mit weniger Kindern zugute kommen. Ab dem dritten Kind solle es gar keine Förderung mehr geben. Der Staat müsse signalisieren, daß verantwortungslos gegenüber der Umwelt handle, wer mehr als zwei Kinder zeugt; doch diese Forderung gilt nur für Europäer – gegen die massenhafte Aufnahme von Migranten hat Cochet dagegen nichts.

Sein Institut Momentum versteht sich als Teil der sogenannten „wachstumskritischen Bewegung“, die ihre Wurzeln auf den Club of Rome zurückführt. Zu Cochets Steckenpferden gehört neben der Forderung nach Legalisierung der Euthanasie auch die bedingungslose Grundsicherung; infolge der von ihnen propagierten Ökologisierung und Robotisierung erwarten selbst die Befürworter der Abwicklung der Industriegesellschaft Millionen von Arbeitslosen, die versorgt werden müssen.

Zuerst!

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