Während Bolton auf einen Militäreinsatz drängt, will Trump die Krise zusammen mit Putin friedlich beilegen. Er stellt sich gegen die Kriegstreiber in Washington. Von Marco Maier, Chefredakteur des Contra Magazins.

US-Präsident Donald Trump widerspricht seinem nationalen Sicherheitsteam, eine militärische Intervention gegen Venezuela durchzusetzen. Er und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin teilen das Ziel eines friedlichen Endes der Krise im südamerikanischen Land.

„Er versucht nicht alles zu tun, um in Venezuela involviert zu sein“, so Trump mit Hinweis auf Putin zu Reportern, „außer er möchte positive Geschehnisse für Venezuela sehen, und ich fühle genauso. Wir wollen humanitäre Hilfe. Im Moment hungern die Menschen.“

Trumps Hinweis auf Russlands freizügige Haltung gegenüber Venezuela steht im Widerspruch zu der Beharrlichkeit seines Außenministers Mike Pompeo. Dieser sagte, Russland sei ein Teil des Problems in Caracas. Pompeo behauptete in der vergangenen Woche, Präsident Nicolás Maduro sei im Begriff, aus Venezuela zu fliehen, bis Russland ihn überredet habe zu bleiben.

Laut dem Kreml betonte Putin im Gespräch mit Trump, dass die Venezolaner ein Recht darauf hätten, ihre Zukunft selbst zu bestimmen. Dies müsse respektiert werden. Er sagte Trump, dass die Einmischung von außen in innere Angelegenheiten und Versuche eines gewaltsamen Regimewechsels in Caracas die Aussichten für eine politische Lösung der Krise untergraben.

Trumps Erklärung kam kurz nachdem der amtierende Verteidigungsminister Patrick Shanahan und andere hochrangige Beamte, darunter auch sein Nationaler Sicherheitsberater John Bolton, militärische Optionen geprüft hatten. Diese taten dies, nachdem venezolanische Oppositionsführer in der vergangenen Woche mit einem Aufstandsversuch gescheitert waren.

Bolton unterstützte letzte Woche eine militärischen Intervention in Venezuela, um den umstrittenen Staatschef Nicolas Maduro zu verdrängen. Ein Schritt, der für Trump eine Herausforderung darstellen würde. Immerhin trat er mit dem Versprechen an, keinen neuen Krieg beginnen zu wollen.
Bolton ist der Hauptkriegstreiber

Während Trump auch betont hat, dass für Venezuela alle Optionen auf dem Tisch stehen, ist Bolton das öffentliche Gesicht jeder militärischen Kampagne. Am Freitag traf sich Bolton mit Pompeo und Shanahan im Pentagon, um die Situation in der lateinamerikanischen Nation zu diskutieren.

„Wir wollen als Hauptziel die friedliche Machtübertragung, aber ich werde es noch einmal sagen, wie der Präsident von Anfang an gesagt hat … alle Optionen liegen auf dem Tisch“, sagte Bolton am Dienstag vor dem Weißen Haus. Zur gleichen Zeit protestierten Demonstramten auf der Straße gegen eine Militärintervention in Venezuela. Einen Tag später sagte Pompeo gegenüber Fox Business Network weiter, dass, wenn militärische Maßnahmen erforderlich seien, „das die Vereinigten Staaten tun werden.“

Shanahan erzählte den Reportern am Freitag, dass er, Bolton und Pompeo an diesem Tag von dem US-Südkommandochef Admiral Craig Faller über seine Beobachtungen in der Region informiert wurden. „Und dann haben wir eine Reihe von Optionen durchlaufen, die wir haben“, sagte Shanahan. Er lehnte es jedoch ab, Einzelheiten anzugeben, und gab keine Hinweise darauf, dass sie sich für militärische Maßnahmen entschieden hätten.

„Wir haben ein umfangreiches Angebot an Optionen, die auf bestimmte Bedingungen zugeschnitten sind, und ich werde es dabei belassen“, sagte er. Unter Druck gesetzt zu sagen, ob die Optionen eine direkte militärische Intervention beinhalten, sagte er: „Das überlasse ich Ihrer Fantasie. Alle Optionen liegen auf dem Tisch.“

In der Freitags-Sitzung wurde die Bemühung der Trump-Regierung hervorgehoben, die Möglichkeit einer militärischen Aktion vorzuschlagen. Damit will man den Druck der Öffentlichkeit auf Maduro verstärken. Die Berichte der lokalen Presse deuten jedoch darauf hin, dass eine direkte Intervention der US-Militärs wenig wahrscheinlich ist.

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