Das deutsche BIP ist im 2. Quartal im Vergleich zum ersten gesunken. Die größte Volkswirtschaft Europas und der wichtigste Abnehmer russischer Energie stehen vor einer Rezession.

Die deutsche Wirtschaft hörte auf zu wachsen und schrumpfte. Bisher ist jedoch minimal. Im 2. Quartal dieses Jahres ging das deutsche BIP von April bis Juni gegenüber dem 1. Quartal um 0,1 Prozent zurück. Auf Jahresbasis bleibt im Vergleich zum 2. Quartal 2018 ein schwaches Wachstum von 0,4 Prozent bestehen. Das ist die erste vorläufige Beurteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis), die am Mittwoch, den 14. August veröffentlicht wurde.

Technische Rezession in der deutschen Wirtschaft ist sehr wahrscheinlich.

Damit stand die größte Volkswirtschaft Europas zumindest technisch vor einer Rezession. Eine Rezession wird als Rückgang des BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen angesehen. Man spricht von einer technischen Senkung, wenn die Statistik ein Mindestminus festlegt. Es gibt jedoch keine wirklich typischen Anzeichen für eine Wirtschaftskrise (massive Produktionseinschränkungen, massive Insolvenzen und Entlassungen).

Während es in Deutschland keine Wirtschaftskrise gibt, gibt es formal nicht einmal eine technische Rezession: Eine Rezession kann erst Mitte November offiziell festgelegt werden, wenn Destatis das laufende Quartal, das im September endet, zusammenfasst. Es kann jedoch bereits mit großer Sicherheit gesagt werden, dass die deutsche Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte nicht zu umgehen ist.

Zahlreiche Prognosen und Indikatoren sprechen jetzt darüber. Das zeigt sich zunächst an der Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums. Es ist der Hauptgrund für die Abschwächung in Deutschland, wo nicht nur große, sondern auch mittlere und viele kleine Unternehmen weitgehend exportorientiert sind.

Der heimische deutsche Markt wächst weiter.

«Die Dynamik der Außenwirtschaft hat das Wirtschaftswachstum gehemmt, da die Exporte im Vergleich zum Vorquartal stärker zurückgingen als die Importe», geht es in dem Destatis-Bericht. Es wird aber auch betont, dass sowohl der Einzelverbrauch als auch die Staatsausgaben im 2. Quartal höher waren als im 1. Quartal.

Das heißt, das Wachstum auf dem deutschen Inlandsmarkt hat sich in den letzten Monaten fortgesetzt (nur die Investitionen im Bausektor sind gesunken). Angesichts der Rekordbeschäftigung und des Anstiegs der Gehälter und Renten dürfte sich dieses Wachstum fortsetzen. Vor allem, wenn der Staat in der einen oder anderen Form jetzt an der Stimulierung der Wirtschaft gegen Krisen beteiligt ist.

Gleichzeitig dürfte sich die Situation auf dem Auslandsmarkt in den kommenden Monaten nicht verbessern, so dass die deutsche Wirtschaft bis zum Sommer vor einer Rezession steht. Eher wird es umgekehrt sein.

Der außenwirtschaftliche Hintergrund für Deutschland dürfte sich verschlechtern.

Zuallererst sollte man auf einen solchen Markt hinweisen, der für deutsche Exporteure wie China sehr wichtig ist: Die Wachstumsraten des BIP sind dort sowohl aufgrund der inneren Probleme der VR China als auch der Folgen eines Handelskrieges mit den Vereinigten Staaten rückläufig. Darüber hinaus führt Washington Mitte des 3. Quartals am 1. September neue Zölle auf chinesische Einfuhren ein, die jedoch für einige wichtige Produktgruppen auf den 15. Dezember verschoben werden.

Darüber hinaus führen die protektionistischen Maßnahmen von Donald Trump und Pekings Vergeltungsmaßnahmen zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den USA selbst, und dies ist auch ein sehr wichtiger Exportmarkt für die deutsche Wirtschaft. Und dann gibt es den Brexit, der Mitte des 4. Quartals am 31. Oktober stattfinden soll. Und wenn Großbritannien die EU in einem schwierigen Szenario verlässt, ohne dass eine Einigung erzielt wird (was wahrscheinlicher wird), wird die deutsche Wirtschaft mit Sicherheit erhebliche Verluste erleiden.

Wenn wir noch eine aufflammende Regierungskrise in einem so wichtigen Land der Eurozone wie Italien hinzufügen, dessen Wirtschaft aufgrund fehlender Reformen so schwach ist, wird klar: In der zweiten Jahreshälfte wird der externe Hintergrund wahrscheinlich noch schlimmer sein als in der ersten.

Teilzeitarbeit und Hypothek zu 1 Prozent

Welche Konsequenzen kann das alles haben? Die überwiegende Mehrheit der Deutschen wird keine technische Rezession in dem Maße bemerken, wie sie im 2. Quartal kein negatives BIP-Wachstum von 0,1 Prozent verspürte. In der Industrie wird die Rezession jedoch stärker spürbar sein als im Dienstleistungssektor.

Daher können einige Arbeitnehmer in bestimmten Branchen, insbesondere in der Automobilindustrie (aus einer Reihe von Gründen bremst die deutsche Automobilindustrie besonders stark), bald in Teilzeitarbeit mit Lohneinbußen versetzt und einige entlassen werden. Der Personalabbau in den nächsten zwei bis drei Jahren wurde kürzlich vom Chemiekonzern BASF und dem Finanzkonzern Deutsche Bank angekündigt. Diese Entlassungen sind jedoch eher mit einer Umstrukturierung des Geschäfts verbunden als mit einer bevorstehenden Rezession.

Die Annäherung wird sich jedoch bereits positiv auswirken, jedenfalls für die Käufer von Eigenheimen. Dank der Anti-Krisen-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) sind die Zinsen in der Eurozone so tief gesunken, dass ein kreditwürdiger Kunde in Deutschland für zehn Jahre eine Hypothek von 1 Prozent oder noch weniger erhalten kann.

Wie sich die Rezession in Deutschland auf den Import russischer Energie auswirken wird

Für Russland als Deutschlands größtem Lieferanten von Kohle, Gas und Öl bedeutet eine Verringerung des BIP der Bundesrepublik Deutschland möglicherweise einen Rückgang von Energie und Rohstoffen. Zwar wird die Nachfrage nach ihnen unter Bedingungen nur einer technischen Rezession wahrscheinlich nicht sehr stark oder sogar signifikant sinken. Aber auf absehbare Zeit muss man nicht mit Wachstum rechnen.

Weitaus schwerwiegendere negative (aber teilweise positive) Folgen für russische Energieexporteure als ein Rückgang des deutschen BIP um 0,1 Prozent sind die umfangreichen Klimaschutzmaßnahmen, die derzeit von der Bundesregierung erarbeitet werden und am 20. September verabschiedet werden sollen.

Ihre Umsetzung wird aller Voraussicht nach zu einer erheblichen Verringerung der Einfuhren von (russischer) Kohle und zu einem gewissen Rückgang des Verbrauchs von Erdölprodukten führen, sobald es möglich ist. Gleichzeitig können diese Maßnahmen zu einem gewissen Anstieg des Gasbedarfs führen.

Die möglichen Anti-Krisen-Programme der Bundesregierung zielen in der gegenwärtigen Situation jedenfalls nicht darauf ab, den Energieverbrauch im Land zu erhöhen, sondern die Einführung energiesparender und umweltfreundlicher Technologien zu fördern. Eine der Ideen: ein Recyclingbonus für Hausbesitzer, die bereit sind, das Heizsystem für Heizöl zugunsten einer weniger umweltschädlichen Anlage aufzugeben.

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