Nahost-Konflikt: Diplomatische Mossad-Mission hielt Katars Zahlungen an die Hamas aufrecht — Liebermann

«Plötzlich spielt Netanjahu den Beschützer der Hamas, als wäre sie eine Umweltorganisation», sagte Ex-Verteidigungsminister Liebermann im israelischen Fernsehen.

Avidgor Liebermann. Quelle: RIA Novosti.

Immer wieder kritisiert Israel verschiedene Länder und zwischenstaatliche Institutionen sowie Nichtregierungsorganisationen weltweit für Geldzahlungen an die Hamas. Als Katar 2018 den Geldhahn zudrehen wollte, schickte Mossad-Chef Yossi Cohen den israelischen Militäroffizier Herzi Halevi auf clandestine Mission nach Doha, um das Emirat zum Umdenken zu bewegen.

Ausgerechnet der ehemalige israelische Verteidigungsminister Avidgor Liebermann brachte das in einem Interview mit dem israelischen TV-Sender «Channel 12 News» zur Sprache.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der ohnehin politisch angeschlagen ist, dürfte diese Aussage von seinem politischen Konkurrenten Liebermann nicht gefallen haben. Katar befindet sich seit 2017 im Fokus einer politischen Krise, die nach dem Emirat benannt wurde und bis heute andauert.

Die Katar-Krise wurde während der Nahost-Reise im Mai 2017 ausgelöst. Seitdem befindet sich Katar in der arabischen Welt diplomatisch im Abseits.

Der Vorwurf der Terrorfinanzierung wurde gegen Katar laut, die Gelder an die sunnitische Hamas und shittische Hisbollah zahlten.  Die Hamas in Palästina ( zu deutsch: Eifer, Kampfgeist), die 1987 von der Muslimbruderschaft ins Leben gerufen wurde, setzt sich wie die Hisbollah aus dem Libanon aus einem politischen und militärischen Flügel zusammen und wird deswegen in vergleichbarer Weise als Terrororganisation eingestuft.

Während Deutschland aufgrund einer Gerichtsentscheidung des Bundesgerichtshofes, die Hamas aufgrund der Untrennbarkeit der jeweiligen Flügel als Terrorganisation einstuft, wird im Hinblick auf die Hisbollah gestritten, ob politischer und militärischer Flügel von einander getrennt werden kann, oder ob ebenfalls Untrennbarkeit vorliegt. Auf Bundestagsebene wird darüber heftig gestritten. Russland erblickt weder in Hamas, noch in Hisbollah eine Terrororganisation.

Auf UN-Ebene wollen vor allem die USA und Israel beide Organisationen als international anerkannte Terrororganisation einzustufen, die den zionistischen Staat Israel vernichten will und stattdessen einen Staat nach sunnitisch-islamischen Vorbild errichten.

Als die Lage zwischen Israel und den Palästinensern eskalierte und die Hamas verstärkt israelische Städte unter Raketenbeschuss nahm, wollte das Doha die Zahlungen an die Organisation einstellen. Die israelische Regierung wollte das Verhindern, wie der damalige Verteidigungsminister Liebermann erklärte.

«Sowohl Ägypten als auch Katar waren erzürnt über die Hamas und planten, die Beziehungen mit ihr abzubrechen. Plötzlich spielt Netanjahu den Beschützer der Hamas, als wäre sie eine Umweltorganisation. Das ist eine Politik der Unterwerfung vor dem Terror“, so Liebermann. Israel habe der Hamas „Schutzgeld“ gezahlt, fügte er hinzu.

Netanjahu steht in Israel in der Kritik nicht hart genug gegen die Hamas vorzugehen. Dabei reagiert Israel auf Angriffe der Hamas oftmals mit massiven Vergeltungsschlägen durch Luftschläge im Gaza-Gebiet und im Westjordanland. Zudem wird seit März 2018 das harte Vorgehen israelischer Soldaten und Sicherheitskräfte im Zuge der Freitaggebete und Proteste beim «Großen Marsch der Rückkehr» international kritisiert.

Erst gestern gab Netanjahu im Zuge des jüngsten massives Beschusses israelischer Streitkräfte auf Gaza bekannt, dass der israelische Staat bereit sei, Palästina vollständig zu zerstören. Vorletzte Nacht kam es sowohl auf Damaskus als auch auf Gaza zu massiven Luftschlägen, ausgeübt durch das israelische Militär, News Front berichtete.

Halevis Doha-Mission lief auf Netanjahus Geheiß und bestätigen zahlreiche Israel-Kritiker und zahlreiche Berichte, die eine heimliche Unterstützung der Hamas durch die zionistische Regierung vermuten, die damit bezweckt, durch den Hamas-Geldfluss eine Plattform schaffen, die immer wieder Angriffe ausübt, auf die mit unverhältnismäßiger Härte vergolten werden.

Während die Hamas mit vergleichsweise rudiementären Militärmitteln Angriffe auf Israel ausüben, indem sie ungelenkte Raketen und Feuerbälle abschießen, pariert die IDF stets intensiv mit modernsten Kampfjets und Raketentechnik. Die meisten Verluste beklagt das Gesundheitsministerium Palästinas.

Wahllose Hamas-Angriffe mit unschuldigen Opfern und ohne militärischen wurden international verurteilt, gaben aber gleichzeitig einen Anlass genau auf solche Attacken hinzuweisen, wenn Israel die Autonomen Gebiete mit heftigen Luftschlägen unter Beschuss sind, wo abermals zahlreiche Zivilisten sterben.

Berichte über clandestine Hilfe der israelischen Regierung werden hingegen schnell zur Verschwörungstheorie erklärt. Nun steht im Raum, dass man ausgerechnet Katar, das wegen willkürlichen  Hamas-Attacken seine millionenschwere Hilfe stoppen wollte, dazu animieren wollte, diesen Schritt zu überdenken.

Seit 2018 ist die Zahl militärischer Auseinandersetzungen in dieser Form stetig angestiegen. Gleichzeitig wird ständig von zionistischer Seite beispielsweise das EU-Parlament sowie die Deutsche Regierung für ihre finanzielle Unterstützung an Palästina kritisiert, weil aus Israels Sicht jegliches Geld über Umwege an die Hamas fließt.

Sowohl die Regierung selbst sowie pro-israelische Medien prangern stets die sogenannte Hamas-Finanzierung durch Deutschland und die Europäische Union trotz der Einstufung als Terrororganisation an.

Nun könnte man Netanjahus Regierung genau diesen Vorwurf entgegensetzen, falls dieser wieder erhoben wird, ob die pro-israelische Presselandschaft diese Mossad-Mission künftig berücksichtigen wird, wenn wieder Finanzierungs-Vorwürfe gegen Länder, internationale Institutionen und Nichtregierungsorganisation berücksichtigt, bleibt abzuwarten.

Avigdor Liebermann, inzwischen Vorsitzender der Partei Jisra’el Beitenu, dürfte Netanjahu innenpolitisch mit seinem Interview einen Seitenhieb verpasst haben. In Israel fanden letztes Jahr im Frührjahr und im Winter Parlamentswahlen statt.

Die Regierung von Netanjahu ist innenpolitisch umstritten. Seine politischen Gegner werfen ihm neben einem Korruptionsskandal vor, nicht entscheidend genug gegen die Palästinenser vorzugehen. Am späten Nachmittag reagierte Israel abermals auf Hamas-Attacken und kurz darauf kündigt Netanjahu weitere Militärschläge an.

 

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