Nowitschok-Erfinder über Propaganda-Lügen im Fall Nawalny: «Man glaubt also, wir wären alle Vollidioten»

Im Nawalny-Fall häufen sich die Widersprüche des westlichen Narrativ immer mehr, denn die verbreitete Nowitschok-Theorie entpuppt sich immer mehr als billige Kopie der Propaganda-Lüge im Fall Skripal 2018. Letztlich missbraucht der Westen sogar die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), deren internationales Renomée deutlich sinkt. Nowitschok-Erfinder Rink erklärte in einem Interview, dass der sowjetische Nervenagent nicht zum Einsatz gekommen sein kann.

Nowitschok-Erfinder über Propaganda-Lügen im Fall Nawalny: "Man glaubt also, wir wären alle Vollidioten"

Moskau erklärte gestern, die OPCW sei im Fall Nawalny gar nicht zuständig und ließ verlautbaren: „Das Technische Sekretariat hat also seine Befugnisse überschritten, als es der deutschen Seite gemäß dem Paragraf 38e des Artikels 8 der Chemiewaffenkonvention technische Hilfe im Rahmen der ‚angeblichen Vergiftung von A. Nawalny‘ leistete.“

Man stellt sich also in Moskau immer noch die Frage, ob der russische Blogger überhaupt vergiftet wurde, geschweige Nowitischok eingesetzt wurde. Leonid Rink gilt als der Entwickler der Nowitschok-Kampfstoffgruppe, die 2018 durch den Fall Skripal weltberühmt wurde. Im Interview mit dem russischen Nachrichtenportal RIA Novosti sagte der 85-jährige promovierte Chemiker, der seine Dissertation über Nowitschok verfasste, glaubt werde im Fall Skripal, noch in der aktuellen Causa Nawalny an eine Vergiftung mit dem Kampfstoff.

«Nowitschok ist eine Gruppe stark wirksamer Nervengifte und ‑kampfstoffe der vierten Generation, die ab den 1970er Jahren in der Sowjetunion entwickelt und mindestens bis in die 1990er Jahre in Russland weiter erforscht wurden», so eine kurze Beschreibung, wenn man nach dem Begriff sucht. Spätestens in den 1990er Jahren haben auch westliche Geheimdienste Proben des Kampfstoffes erhalten, so beispielsweise auch der BND, wie westliche Medien im Mai 2018 berichteten, so auch Der Spiegel, der im Fall Skripal das Thema aufgriff. Inzwischen veröffentlichten Wissenschaftler eines US-Militärlabors im Januar 2020, dass die Kampfstoff-Gruppe auch von den US-Streitkräften synthetisch hergestellt werden kann. Ein entsprechender Artikel ist hier abrufbar und zur Sicherheit wurde der Beitrag von US National Library of Medicine auf Archive.is gesichert.

Im RIA-Novosti-Interview sprach er detailliert über die Zusammensetzung und Wirkungsweise des berüchtigten Nervengiftes, das bereits in sehr geringen Mengen alle Menschen, die sich in der Nähe befinden töten soll. Ein gemeingefährlicher Kampfstoff, der nicht für die gezielte Tötung einzelner Personen entwickelt wurde, sondern ein Massenvernichtungsmittel Solche Fakten werden im westlichen Narrativ zwar aufgegriffen, aber letzlich arbeitet man sich an der Entkräftung solcher Einwände ab.

Nowitschok-Erfinder über Propaganda-Lügen im Fall Nawalny: "Man glaubt also, wir wären alle Vollidioten"
Blogger, Anwalt und Dissident wird in der Berliner Charité behandelt: Wurde er vergiftet?

Untermauert werden Propaganda-Lügen dieser Art durch zahlreiche Dokus, deren Framing offenkundig ist: Russland ist aggressiv, Putin tötet seine Gegner, Korruption im Kreml, sind nur drei Beispiele, die man in unterschiedlichen Dokureihen auf ARD, ZDF, Der Spiegel und vielen mehr, sich geben kann.

«Nawalny wurde vergiftet», so lautet die Erzählweise in den Deutschen Mainstream-Medien, die auch Bundeskanzlerin nebst Kabinett Angela Merkel in weiten Teilen teilt. Angeblich fanden es Labore der Bundeswehr, des britischen Geheimlabors Porton Down, sowie schwedische und französische Labors heraus, dass Nowitschok im Spiel gewesen sein soll. Chemiker Rink geht nicht einmal von einer Vergiftung bei Nawalny aus. „Wenn das eine Vergiftung gewesen wäre …“, titelt das digitale Informationsportal Sputnik Deutschland , das eine deutsche Version veröffentlichte.

«Dasselbe gilt auch für den „Fall Skripal“. Dort gab es keinen Anlass, von einer Phosphorvergiftung zu sprechen. Mehr noch: Die britischen Behörden haben zufällig oder dummerweise verraten, was mit den beiden passiert war. Erinnern Sie sich noch an das Interview der Tochter von Skripal. Sie hatte eine kleine Narbe am Hals – nach der Tracheotomie. Sie wird nötig, wenn sich alle Muskeln des Patienten nicht zusammenziehen (bei einer Phosphorvergiftung), sondern entspannen (wenn Fentanyl eingesetzt wird)», erklärte Rink gegenüber den Journalisten.

«Die Zunge entspannt sich, verstopft die Kehle, und man muss darin ein Löchlein machen, damit der Patient atmen kann. Dieser Mechanismus ist entgegengesetzt dem „Nowitschok“-Mechanismus. Übrigens gab es am Tag der Vergiftung der Skripals einen TV-Bericht über Vergiftung von zwölf Personen mit Fentanyl. Zwei von ihnen waren Russen. Zehn Patienten wurden wegen Überdosis behandelt, und bei zwei weiteren wurde die Phosphorvergiftung festgestellt. Im Grunde ist das dasselbe Kino wie im „Fall Nawalny“, wenn man von „Nawalnys Flasche“ spricht – oder vom „Fläschchen“ in Salisbury. Mein Gott, ein solches Fläschchen würde reichen, um aus dem ganzen Salisbury ein Massengrab zu machen», so der Nowitschok-Experte über den Fall Skripal.

Die bulgarische Investigativ-Journalistin, die sich auf Recherchen im Bereich Militär, insbesondere biologische und chemische Waffen, spezialisierte machte 2018 eine besondere Beobachtung. «Die #Skripals waren nach Angaben des UK Clinical Services Journal angeblich dem Medikament #Fentanyl und nicht dem #Novichok-Nervenwirkstoff ausgesetzt», twitterte sie und veröffentlichte auf ihrem Blog  Dilyana.bg einen Beitrag, aus dem hervorgeht, dass der Bericht später redigiert wurde, also nachträglich verändert wurde. Eine peinliche Panne oder ein bewusster Hinweis?

News Front berichtete im Jahre 2018 ebenfalls über die Entdeckung der Journalistin, die bereits über Waffenlieferungen des Westens an Terroristen berichtete, oder über das weltweite Biowaffen-Programm des Pentagons.

Über die Widersprüche im Fall Nawalny berichtete News Front anfang der Woche, wo auch der Einsatz von Insulin in Erwägung gezogen wurde, was die Nawalnys Zuckerschock erklären würde. Auf Insulin ging Rink im gestrigen Beitrag zwar nicht ein, jedoch auf Acetylcholinesterase-Hemmer, das auch bei Diabetikern eingesetzt wird. Halten wir fest: Nawalny leidet nicht an der Zuckerkrankheit, so daß diese Stoffe für ihn lebensgefährlich sein können.

Nowitschok-Erfinder über Propaganda-Lügen im Fall Nawalny: "Man glaubt also, wir wären alle Vollidioten"
Leonid Rink, Chemiker und mutmaßlicher Erfinder des Nowitschok-Kampfstoffes glaubt fast nichtmal an eine persönliche Vergiftung. Foto: RIA Novosti.

«Das sind Phosphorstoffe, die die Basis von „Nowitschok“ bilden, wie auch übrigens VX und Sarin, Saman, Tabun und etliche Nichtphosphor-Stoffe wie Proserin – das sind alles Anticholinergika, Cholinomimetika oder reaktivierende Stoffe. Das sind also solche Stoffe, die die Cholinesterase (das Ferment, das vor allem von Leberzellen synthetisiert wird) beeinflussen und die Spaltung des Acetylcholins verhindern. Sehr viele Anti-Cholinesterasen-Stoffe werden bei Diabetes verwendet. Und bei einem natürlichen Koma müssen die Ärzte dem Patienten als erstes (diese Informationen kann man auf Wikipedia finden) ein Cholinomimetikum oder Anticholinergikum geben. Also wenn man sagt, etwas hätte die Cholinesterase beeinflusst, es ist doch klar: Die Ärzte haben das Ding eingeführt – da Ding eingeführt – da muss man gar nichts ausdenken. Das war das Erste, was die Ärzte in Omsk machten» , antwortete der Chemiker auf die Frage von RIA Novosti, ob dieser Stoff auch bei den Nowitschok-Gruppen vermischt wird.

«Viele beanspruchte Strukturen aus dieser Gruppe enthalten auch Vernetzungsmittelmotive, die an mehreren Stellen kovalent an das aktive Zentrum des Acetylcholinesterase-Enzyms binden können, was möglicherweise die schnelle Denaturierung des Enzyms erklärt, von dem behauptet wird, dass es für die Novichok-Mittel charakteristisch ist», heißt es im englischsprachigen Beitrag von Wikipedia über den Kampfstoff Nowitschok, der allerdings nicht mit wissenschaftlichen Quellen belegt ist.

Schließlich geht der mutmaßliche Nowitschok-Erfinder etwas näher auf Fentanyl ein, das berüchtigte Opiat, das auch im Fall Skripal eine Rolle gespielt hat. Fentanyl ist ein synthetisches Opioid, das als Schmerzmittel in der Anästhesie sowie zur Therapie akuter und chronischer Schmerzen, die nur mit Opioidanalgetika ausreichend behandelt werden können, eingesetzt wird, so die knappe Definition des Stoffes, das in den letzten Jahren in der Drogenszene beliebter wurde. So soll auch der getötete Wiederholungstäter George Floyd neben Amphetaminen auch reichlich Fentanyl im Blut gehabt haben, was erklären würde, warum er so schlecht atmen konnte.

«Das weiß ich nicht mit dem Schwarzmarkt, aber man kann das Ding quasi kochen. Ob er zu kaufen wäre, weiß ich nicht. Was Fentanyl angeht, so kann man den Stoff tatsächlich auf dem Schwarzmarkt kaufen – Dutzende oder sogar Hunderte Kilogramm. Kilogramm!»

Drogen sollen überigens nach britischen Medienberichten auch bei den angeblichen GRU-Agenten im Fall Skripal im Spiel gewesen sein. Dailymail berichtete, dass sich die vermeinlichen Agenten eine Nacht vor dem Anschlag, mit Prosituierten und Drogen im Hotelzimmer gefeiert haben sollen. Journalistin Gaytandzhieva twitterte zum Beitrag: «Angebliche Geheimagenten bestellen Prostituierte in ihrem Hotelzimmer, um in der Nacht vor einer Super-Geheimoperation mit dem giftigsten Nervenagenten aller Zeiten so viel Aufmerksamkeit wie möglich zu erregen. Wie unprofessionell von ihnen…»

Und auch das Auswärtige Amt schöpft langsam Verdacht bei den Giftgas-Geschichten: „Die Handlungen Deutschlands waren so gut organisiert, dass es eine Menge von Fragen aufgeworfen hat, und nämlich: Haben wir es vielleicht mit einer weiteren Inszenierung eines mystischen Chemiewaffeneinsatzes zu tun, diesmal aber nicht in Syrien oder Großbritannien, sondern in Russland», resümierte gestern noch das russische Außenministerium. Die Tatsache, dass Nawalny kein Asyl beantragt, was alle dachten, kommentierte der Wissenschaftler folgendermaßen: «Und er hat wohl die Deutschen und auch alle anderen sehr beleidigt, als es ihm besser ging und er sagte, er wolle zurück nach Russland. Da waren alle fix und fertig, als sie das hörten.»

Tatsächlich ging man spätetens nach Nawalnys Einlieferung in die Berliner Charité davon aus, dass der Dissident Asyl beantragen werde. Als Nawalny Ende August im Koma lag, ging man davon aus, dass er nun Asyl in Deutschland beantragen würde. So interviewte die Bild-Zeitung, die sehr schnell den Nowitschok-Vergiftungs-Narrativ aufgriff und propagierte, der Kreml stecke hinter dem angeblichen Anschlag, den Asyl-Anwalt Philipp Pruy (33).

„Er sollte schon aus der Klinik schriftlich einen Asylantrag stellen. Da er unmittelbar aus Russland und damit nicht über einen sicheren Drittstaat eingereist ist, hätte er die Chance auf politisches Asyl nach Art. 16a Absatz 1 des Grundgesetzes“, antwortete der Jurist auf die Frage, was er Nawalny raten würde, um eventuell einen Anspruch auf Asyl durchsetzen zu können.

Solche Fragen werden künftig nicht mehr gestellt, nachdem Nawalny bereits anküdigte, dass er wieder nach Russland möchte.

«Auf Russland – immer, und das wird auch so getan. Und ich fürchte, dass nächstes Mal, wenn jemand irgendwo in der Welt stirbt (und es gibt ja viele Personen, die westlichen Spitzenpolitikern nicht gefallen), dann könnte man das Russland vorwerfen. Man würde „Nowitschok“ einsetzen und Russland als Bösewicht darstellen. Man glaubt also, wir wären alle Vollidioten. Aber jetzt scheint niemand von ihnen die Wahrheit zu brauchen», so der «Nowitschok»-Erfinder am Schluss des Gesprächs.

Nowitschok-Erfinder über Propaganda-Lügen im Fall Nawalny: "Man glaubt also, wir wären alle Vollidioten"
Der Chemiker Wil Mirsajanow ist oft im Dialog mit westlichen Medien und behauptet ebenfalls am Nowitschok-Programm beteiligt gewesen zu sein. Heute lebt er in den USA.

Westliche Medien setzten inzwischen, anstatt auf Fakten, auf den Framing-Effekt und wollen dem Konsumenten eine neue Logik verkaufen. «Framing bedeutet, dass unterschiedliche Formulierungen einer Botschaft – bei gleichem Inhalt – das Verhalten des Empfängers unterschiedlich beeinflussen. Dieser Effekt lässt sich nicht mit der Theorie der rationalen Entscheidung erklären», so die Kurzerklärung der Propaganda-Rahmen-Methode, die einst NS-Propagandaminister Joesef Goebbels treffender formulierte: „Eine Lüge muss nur oft genug wiederholt werden, dann wird sie geglaubt.“

 

Propaganda, ein negativ konnotierter Begriff, umschreibt ehrlicher genau das, was die Medien mit ihrem angeblichen Qualitätsjournalismus erreichen wollen. Wer davon mehrere Meisterstücke sehen will, der wird schnell auf dem staatlichen Sender ZDF fündig. Nicht ganz so schnell wird man auf dem anderen gebührenfinanzierten Staatssender ARD mit solchen Beiträgen erschlagen, wenn man nach Russland sucht.

 

Für die westlichen Medien ist im Übrigen der Chemiker Wil Mirsajanow ein gern genommener Gesprächspartner, wenn es darum geht, Russland, in persona Putin, eines Giftanschlags zu bezichtigen. So sprach er vergangene Woche mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel, wo er vorgab, sich schuldig bekannte. Schuldig dafür, dass er am Nowitschok-Programm beteiligt gewesen sein soll  Dem entgegnete Rink Mirsajanow sei überhaupt nicht an der Entwicklung beteiligt gewesen, er sei für die Kontrolle des Abwassers zuständig gewesen. Er könne daher die Vergiftungssymptome nicht kennen. Nun gibt es tatsächlich den Verdacht, dass er als Kronzeuge fragwürdig ist und er politisch eine Agenda im Sinne der US-Geheimdienste verfolgt.

Höchstwahrscheinlich wird der Fall Nawalny zur nächsten unendlichen Lügengeschichte, auf die immer dann zurückgegriffen wird, um der russischen Regierung zu schaden. Erinnern wir uns nur am Fall von Skripal, der sich knapp zwei Wochen vor der russichen Präsidentschaftswahl ereignete. Darauf folgte eine Info-Schlacht, die bislang so noch nicht dagewesen war und bis heute auch Spuren an Glaubwürdigkeit hinterlassen hat. Und genützt hat es dem Westen nicht, denn Putin wurde im Amt mit überwältigender Mehrheit bestätigt. Sowohl damals 2018 wie heute 2020 forderten westliche Politiker teils einen Stopp von North Stream 2, was bislang ebenfallls noch nicht gelungen ist.

Wahrhaftig ist, dass westliche Medien und Politiker wohl nicht nur die Russen, sondern iauch hre Leser und Wähler für Idioten hält. Spätestens seit Nawalny aus dem künstlichen Koma erwacht ist, verdichten sich die Widersprüche mehr und mehr: Nawalny will zurück nach Russland. Auf einmal war es nicht mehr der Tee, sondern die Wasserflaschen im Hotel, die mit Nowitschok kontaminiert waren. Diese Flaschen wurden auch nach Deutschland zusammen mit Nawalny ausgeflogen. Jaka Bizilj, Gründer der Initiative Cinema for Peace und Organisator des Charterflugs für den russischen Politblogger Nawalny, erklärte diese Woche in einem Interview eine neue Vergiftungstheorie, indem er die Ärzte-Theorie zitierte, der Blogger erst im Flugzeug vergiftet wurde. Das würde alle bisherigen Theorien widersprechen, die das Nawalny-Team medial wirksam verbreitete.

Von Christian Bärenfänger, speziell für News Front.

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