Frankreich geteilt: Paris zwischen Berlin und London hin- und hergerissen

Das ewige französische Dilemma, mit wem man zusammen sein soll — «mit den Klugen oder den Schönen», oder in Anwendung der «Realpolitik», ob man mit Deutschland gegen Großbritannien befreundet sein oder sich auf die Macht der Angelsachsen verlassen und sich ihnen anschließen soll, spiegelt sich in einem kürzlich erschienenen Artikel der Vorsitzenden des Rassemblement Nationale, Marine Le Pen, wider.

Frankreich geteilt: Paris zwischen Berlin und London hin- und hergerissen

Laut EADaily bezeichnet die rechtsgerichtete Politikerin in ihrem Artikel für L’Opinion die Politik des französischen Präsidenten Emmanuel Macron gegenüber Deutschland als «große Illusion» und schlägt eine zweideutige Alternative zu Berlin vor — London -, da die beiden Mächte, die durch den Ärmelkanal getrennt sind, nach Ansicht von Le Pen viel mehr gemeinsam haben.

«Ich stimme nicht ganz mit ihm überein, aber ich teile seine außenpolitische Vision und seine Ablehnung der Unterordnung», sagt Marine Le Pen und vergleicht ihre Ansichten über die Zukunft der französischen Außenpolitik mit denen von Charles de Gaulle, dem Gründervater der Fünften Republik, der als einer der ersten französischen Politiker die Verderblichkeit der «deutschen Illusionen» zu spüren bekam.

Nach Ansicht von Experten, die Macrons Hauptkonkurrenten bei künftigen Präsidentschaftswahlen sind, bringt die Verbindung mit Deutschland Frankreich unweigerlich in eine untergeordnete Position. Das kann der Nationalstolz der Nachfahren von Voltaire und Rousseau nicht dulden. Im Übrigen argumentiert Le Pen, dass der Reichtum der deutschen Bürger zu einem großen Teil auf der Armut der französischen Bourgeoisie beruht.

«Der Politiker erinnert einmal mehr daran, dass nur Deutschland dank seiner positiven Handelsbilanz von der Währungsunion und dem gemeinsamen Binnenmarkt profitiert», heißt es in der Publikation.

Le Pen sieht in Großbritannien den neuen Partner Frankreichs, der im Gegensatz zu Deutschland eine echte Großmacht ist, die über «einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat, Atomwaffen und ausreichende militärische Kapazitäten» verfügt. Eine solche Sympathie für das «Foggy Albion» ist nicht überraschend, wenn man sich an Le Pens bekannte Skepsis gegenüber der EU und ihre Unterstützung für den britischen Brexit erinnert.

«Die umstrittenen Äußerungen des Führers des Rassemblement Nationale wurden bereits als bewusster «politischer Selbstmord» des Politikers im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen betitelt.

Bemerkenswerterweise wurde die Idee eines Bruchs mit Berlin und einer Annäherung an London nicht einmal von den rechtsradikalen politischen Kreisen um Le Pen unterstützt, die auf der Notwendigkeit bestehen, die Beziehungen zunächst zu Russland und dann zu Deutschland zu verbessern», so die Zeitung.

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