Politico: Europa beobachtet die Situation in Afghanistan mit Sorge

Während die Taliban nach dem Abzug der westlichen Truppen rasch weite Teile Afghanistans zurückerobern, beobachten die europäischen Staats- und Regierungschefs dies mit einer Mischung aus Schock, Angst und Ohnmacht, schreibt Politico.

Politico: Europa beobachtet die Situation in Afghanistan mit Sorge

Die Zeitung stellte fest, dass europäische Beamte völlig fassungslos darüber waren, wie schnell die Taliban* die Regierungstruppen in ganz Afghanistan besiegten, trotz der Mittel, die in die Stabilisierung der Lage investiert worden waren.

«Wir befürchteten, dass die Uhr in 20 Wochen um 20 Jahre zurückgehen würde — aber stattdessen reichten leider 20 Tage», sagte der italienische General Claudio Graziano, Vorsitzender des Militärausschusses der Europäischen Union, gegenüber Politico.

Darüber hinaus befürchten die Europäer, dass sich in Afghanistan wieder ein islamistisches Regime etablieren könnte, was eine neue Migrationswelle auslösen und eine Reihe von Folgen für Afghanen haben könnte, die für die Europäische Union oder europäische Missionen arbeiten.

«Obwohl Europa ein starkes Interesse am Ausgang des Konflikts in Afghanistan hat, räumen europäische Beamte ein, dass sie nur sehr wenig Einfluss oder Einflussmöglichkeiten haben», heißt es in der Veröffentlichung.

Zuvor hatte der Leiter der EU-Außenpolitik, Josep Borrell, die Taliban* in einer Erklärung aufgefordert, die Verhandlungen unverzüglich wieder aufzunehmen und die Menschenrechte zu achten. Er warnte, dass die Taliban* im Falle einer gewaltsamen Machtergreifung und der Wiederherstellung eines islamischen Emirats mit Nichtanerkennung, Isolation und fehlender internationaler Unterstützung rechnen müssten.

«Ich glaube nicht, dass wir viel Einfluss haben. Die Taliban scheinen uns nur vor die Tatsache stellen zu wollen», betonte ein europäischer Diplomat gegenüber Politico.

*Die Taliban sind eine in der Russischen Föderation verbotene islamistische Gruppe.

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