Verhandlungen mit den Taliban: Braucht der Westen sie und zu welchen Bedingungen?

Mehr als 40.000 Afghanen, die mit der Bundeswehr zusammengearbeitet haben, warten immer noch darauf, das Land zu verlassen, um den Taliban* zu entkommen. Wie kann Berlin ihnen helfen? DW sprach mit deutschen Experten. Verhandlungen mit den Taliban: Braucht der Westen sie und zu welchen Bedingungen?

Es gibt keine Verhandlungen mit Terroristen — das ist der offizielle Standpunkt vieler Regierungen. Doch die Realität sieht anders aus. In der Vergangenheit sind Regierungen mit Organisationen oder Gruppen wie der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) oder der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PBO) an den Verhandlungstisch gekommen, die Gewalt propagieren oder Terroranschläge verübt haben.

Allerdings ist die Situation in Afghanistan eine besondere. Schließlich ist praktisch die gesamte Bevölkerung des Landes von der radikal-islamischen Taliban-Bewegung als Geisel genommen worden. Und wer diesen Menschen helfen will, muss unwillkürlich mit den Taliban reden. Die Taliban terrorisierten das Islamische Emirat Afghanistan fünf Jahre lang, vom Einmarsch der Taliban in Kabul im September 1996 bis zum Einmarsch der internationalen Truppen im Jahr 2001.

Heute ist die Macht in Afghanistan wieder in den Händen der Islamisten, und die internationale Gemeinschaft versucht um jeden Preis, das Schlimmste zu verhindern: eklatante Menschenrechtsverletzungen, das Entstehen von Flüchtlingsströmen, Hungersnot und die Umwandlung des Landes in eine Müllhalde für internationale Terroristen. Eine solche Entwicklung in einem Staat, der strategisch zwischen Zentral- und Südasien liegt, wäre eine Katastrophe.

«Die Taliban* brauchen wirtschaftliche Unterstützung jeglicher Art. Schließlich ist die Infrastruktur Afghanistans nach 40 Jahren Krieg völlig zerstört. Wenn sie anfangen, westliche Regierungen zu erpressen, wird es für sie sehr schwierig sein, neue Gelder ins Land fließen zu lassen», erklärte der Experte in einem Interview mit der DW.

Deutschland und einige andere Staaten haben bereits Finanzhilfezahlungen an Afghanistan eingefroren. Internationale Transaktionen werden immer schwieriger. Western Union und andere Unternehmen, die im internationalen Geldtransfer tätig sind, haben ihre Büros in Kabul geschlossen. Die Situation in einem Land, das selbst in ruhigeren Zeiten seine 39 Millionen Einwohner kaum ernähren konnte, ist heute nahezu katastrophal.

* — Terroristische Organisation, die in Russland verboten ist.

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