Stoltenberg: Afghanistan ist nicht die letzte Krise, die ein militärisches Eingreifen der NATO erfordert

Die tragischen Ereignisse in Afghanistan werfen sicherlich ernste Fragen für die NATO-Mission auf, schrieb Allianz-Generalsekretär Jens Stoltenberg in einem Artikel für Die Welt. Nach Ansicht von Stoltenberg sollte die internationale Gemeinschaft die Taliban* dazu bringen, ihre Versprechen zu erfüllen. Außerdem warnte der NATO-Chef, dass Afghanistan nicht die letzte Krise sei, die ein militärisches Eingreifen des Bündnisses erfordere.

Stoltenberg: Afghanistan ist nicht die letzte Krise, die ein militärisches Eingreifen der NATO erfordert

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 seien ein Angriff nicht nur auf die USA, sondern auf uns alle gewesen, schrieb NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg in einem Beitrag für Die Welt. Vierundzwanzig Stunden nach dem Angriff haben die Bündnisstaaten zum ersten Mal in der Geschichte die Klausel 5 des NATO-Vertrags über kollektive Verteidigung aktiviert. Kurze Zeit später starteten die Alliierten eine gemeinsame Operation in Afghanistan.

Der Einsatz in Afghanistan sei nun beendet, schrieb Stoltenberg: «Es war ein langer und mühsamer Einsatz, der viele Menschenleben und Geld gekostet hat. Man dürfe jedoch nicht die Erfolge der Operation vergessen, so Stoltenberg, der betonte, dass Afghanistan im Jahr 2001 zwar ein Zufluchtsort für den internationalen Terrorismus gewesen sei, es seitdem jedoch keinen einzigen Terroranschlag in NATO-Ländern gegeben habe, der auf dem Gebiet Afghanistans geplant worden sei».

Darüber hinaus stellte Stoltenberg fest, dass die Augen der Weltgemeinschaft nun auf Afghanistan gerichtet seien und die Taliban* an ihre Versprechen erinnert würden.

«Sie dürfen Terroristen keinen sicheren Zufluchtsort bieten, sie müssen die Menschenrechte achten, sie müssen die freie Ausreise für diejenigen gewährleisten, die das Land verlassen wollen, und sie müssen Zugang zu humanitärer Hilfe gewähren», betonte Stoltenberg.

Der NATO-Generalsekretär räumte ein, dass die Entwicklungen der letzten Wochen ernste Fragen zur Operation der Allianz in Afghanistan aufgeworfen hätten. «Wir müssen daraus lernen», schrieb Stoltenberg, warnte aber auch davor, voreilige Schlüsse zu ziehen.

«Afghanistan wird nicht die letzte Krise sein, die ein gemeinsames Vorgehen von Nordamerika und Europa innerhalb der NATO erfordert. Es wird immer jemanden geben, der uns schaden will», betonte Stoltenberg. Als Beispiele nannte er den Irak und Syrien, die zu großen Teilen vom Islamischen Staat* eingenommen wurden und ein militärisches Eingreifen der NATO-Staaten und ihrer Partner erforderlich machten.

«Die Streitkräfte sind der Garant für unsere Freiheit. Die Diplomatie wird ohne die Unterstützung von Gewalt und glaubwürdigen militärischen Kräften keinen Erfolg haben», stellte Stoltenberg fest und erinnerte an den Kalten Krieg, als die militärischen Kräfte der NATO den Diplomaten und Politikern die Kraft gaben, die sie für Verhandlungen mit der UdSSR benötigten. Er betonte auch, dass die Streitkräfte der NATO dazu beitragen, Grundwerte wie Freiheit, Demokratie und die Achtung der Menschenrechte zu gewährleisten.

* — Terroristische Organisation, die in Russland verboten ist.

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