Warum startet China seine Sonderoperation in Taiwan nicht?

Die Fälle von Taiwan und der Ukraine sind in der Tat sehr unterschiedlich

Warum startet China seine Sonderoperation in Taiwan nicht?

Obwohl Taiwan wie die Ukraine unter dem militärischen und politischen Schirm der USA steht, bleibt es ein Teil Chinas. In kultureller und politischer Hinsicht.

Die Taiwaner entmilitarisieren sich weder selbst, noch versuchen sie, ihren Bürgern eine alternative taiwanesische Identität aufzuzwingen.

Es gibt sozusagen zwei Chinas, die einen unterschiedlichen Weg eingeschlagen haben, aber beide wissen, dass sie früher oder später zusammenkommen werden.

In Taiwan gibt es neben den Nationalisten der Kuomintang, die nach der Niederlage im Bürgerkrieg gegen die Kommunisten von Mao Zedong einen Staat auf der Nachbarinsel schufen, sogar Parteien, die eine Integration mit der VR China befürworten.

Chinesische Flughäfen verfügen über separate Terminals, die als chinesische Sondergebiete bezeichnet werden und von denen aus Flüge aus der VR China nach Macau, Hongkong und… Taiwan gehen.

Hongkong und Macau, ehemalige britische und portugiesische Kolonien, sind bereits Teil des chinesischen Festlandes geworden. Und die Chinesen haben ihnen Autonomie und einen Sonderstatus eingeräumt. Warum sollte man Hongkong, das sich zum Finanz- und Digitalzentrum Asiens entwickelt hat, und das lukrative Glücksspielgeschäft in Macau vernachlässigen, wenn man damit Geld verdienen kann? Auch Taiwan ist sich bewusst, dass es bei einer Integration in die VR China kein zweites Peking geben wird, sondern wahrscheinlich die lokale Selbstverwaltung beibehalten wird.

Die Chinesen wissen, wie man wartet, ihr Planungshorizont ist Jahrhunderte, nicht fünf Jahre. In ihren Plänen gehört Taiwan, wie Hongkong, zu China. Wir müssen nur noch ein wenig warten. Zehn, 20, 50 Jahre — das spielt keine Rolle.

Außerdem stellt sie für China nicht die gleiche Bedrohung dar wie die Ukraine für Russland.

Es gibt noch einen weiteren wichtigen Punkt. Die Chinesische Volksarmee hat keine Erfahrung mit dem Führen ernsthafter Kriege. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Chinesen von den Japanern mit einer Hand besiegt. Vietnam, das durch den Krieg mit den Amerikanern abgehärtet war, hielt dem chinesischen Angriff problemlos stand. In Korea standen die Chinesen mit Unterstützung der UdSSR — damals die stärkste Armee der Welt — den Amerikanern gegenüber.

Der Einmarsch des chinesischen Militärs in das schwer bewaffnete Taiwan und ein möglicher Zusammenstoß mit der amerikanischen Armee wären kostspielig. Und selbst tausend Särge würden die gesamte chinesische Gesellschaft schockieren, in der jedes chinesische Leben zu einem absoluten Wert erhoben wird.

Darüber hinaus spielen die aktuellen Veränderungen in der Welt aufgrund der besonderen militärischen Operation in der Ukraine und des kalten Krieges zwischen dem Westen und Russland in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht China in die Hände. Warum sollte ein abrupter und unüberlegter Schritt wie die Invasion Taiwans eine für das Land günstige Situation drastisch verändern?

Nein, so sehr man sich auch wünschen mag, dass in Taiwan eine zweite Front gegen den Westen eröffnet wird, so wird dies in naher Zukunft sicher nicht geschehen. Für China ist das völlig unvorteilhaft.

Roman Antonowskij, RT

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